»Sie?« rief Georgine erstaunt, »und welches Interesse könnten Sie, Graf von Geyerstein, an dem Kunstreiter nehmen, wenn nicht ein besonderer Beweggrund Sie dabei leitete? Sie verschweigen mir, was ich als Georgs Weib erfahren müßte, was ich erfahren will, und gönnen Sie mir nicht gutwillig oder erzwungen Ihr Vertrauen, so seien Sie fest versichert, daß ich Ihre Pläne kreuze.«

»Madame Bertrand –«

»Das ist mein offenes Wort,« rief die Frau, »und Krieg oder Friede liegt jetzt in Ihrer Hand.«

Der Graf schüttelte ernst mit dem Kopfe. »Sie irren sich, schöne Frau,« sagte er, »und würden selbst in dem Falle, daß Sie recht hätten, einen schweren, nie wieder gut zu machenden Fehler begehen.«

»Wie so, ich?«

»Daß Sie einen Fremden zum Mittelsmann Ihres häuslichen Friedens machen wollen.«

»Häuslichen Friedens?« rief aber die kecke Reiterin mit spöttischem Lachen, »denken Sie sich unser Leben nicht so idyllisch, Herr Rittmeister. Nicht für die Häuslichkeit sind wir bestimmt oder darauf angewiesen, und die Gesetze, die bei anderen Frauen vielleicht gelten mögen, halten deshalb auch bei mir nicht Stich. Mein Mann und ich haben uns überdies schon lange darüber verständigt, jedes von uns seine eigene, für sich abgeschlossene Bahn zu gehen. Vereinigen sich diese von selber, desto besser; tun sie es nicht, so ist jedes selbständig genug, die eigene zu verfolgen.«

»Und Ihr Kind?«

»Josefine? die allerdings folgt der meinen, wenn ihr Vater derselben abtrünnig werden sollte,« rief Georgine, und der forschende Blick, mit dem sie bei diesen Worten den Grafen betrachtete, sagte diesem, daß sie den Eindruck beobachten wollte, den sie machten. Graf von Geyerstein verriet aber durch keinen Zug, welchen Anteil er an dem eben Gehörten nahm. Wohl schien es, als ob er etwas darauf erwidern wollte; er überlegte sich aber bald, daß ein Drängen von seiner Seite die Frau nur noch mißtrauischer, ja auch neugieriger machen müßte, und kurz abbrechend sagte er nur: »Es ist das ein unerquickliches Gespräch für uns beide, Madame, und kann zu keinem Resultat führen. Ich stehe Ihren Familienangelegenheiten auch zu fern, um eine Einmischung in solche zu beanspruchen, selbst wenn sie von dem einen oder dem anderen Teile angenommen werden sollte. Machen Sie das, falls er nicht Ihrer Meinung sein sollte, mit Ihrem Gatten ab. Kann ich Ihnen in irgend sonst etwas dienen, so verfügen Sie frei über mich.«

»Sie sind sehr gnädig, Herr Graf,« lachte die junge Frau, »aber so bald und so leichten Kaufes werden Sie mich noch nicht los.«