»Ich habe mich selber erboten...«
»Ich weiß es schon und bin Ihnen sehr dankbar dafür – in allem mir gefällig zu sein – nur in dem nicht, was mich hierher geführt.«
»Und das ist?«
»Zu erfahren, in welcher Beziehung Sie zu meinem Gatten stehen, – den Beweggrund kennen zu lernen, der Sie leiten konnte, sich für den Kunstreiter zu interessieren und auf ihn einzuwirken.«
Wolf war aufgestanden und trat zum Fenster; er kämpfte augenscheinlich mit einem Entschluß, und Georgine fühlte es, denn sie unterbrach ihn nicht. »Madame,« sagte er endlich, zu Georginen zurückkehrend, »ich sehe eigentlich keinen Grund, Ihnen, da Sie auf diese Weise in mich dringen, länger zu verheimlichen, daß ich mich allerdings in der Aehnlichkeit mit Ihrem Gatten nicht getäuscht. Ich habe in ihm einen meiner früheren Jugendgespielen erkannt, aber das Geheimnis ist nicht mein eigenes, es gehört seiner Familie, und der gegenüber stehe ich nur als Mittelsmann zwischen ihr und Herrn Bertrand.«
»Also doch ein Geheimnis,« lachte Georgine bitter vor sich hin, »ein Geheimnis, Frau und Kind um ihre Existenz zu betrügen.«
»Nennen Sie das um Ihre Existenz betrügen, Madame, wenn man Ihnen die Aussicht gibt, sich eine unabhängige und ehrenvolle Stellung im bürgerlichen Leben zu sichern?« sagte der Graf.
»Und ist unsere Stellung nicht unabhängig – nicht ehrenvoll?« rief Georgine gereizt.
»Lassen Sie uns abbrechen?« bat Wolf von Geyerstein, dem das Gespräch schon lange peinlich war. »Das ist eine Sache, die Sie mit Ihrem Gatten weit besser beraten können als mit mir, die Sie nur allein mit ihm beraten müssen. Wenn ich Ihnen die Versicherung gäbe, daß ich selber den wärmsten Anteil an Ihrem Schicksale nehme, glaubten Sie mir vielleicht das nicht einmal.«
»Nein,« sagte Georgine finster, »nicht eher, als bis Sie mir auch den wahren Grund dafür sagen würden. Glauben Sie mir, Herr Graf, daß wir da nur zu bittere Erfahrungen mit solcher Teilnahme machen. Aber ich fühle, daß Ihnen unsere Unterredung nicht länger angenehm ist.«