»Madame Bertrand.«

»Bitte, – keine Komplimente zwischen uns. Ich bin wahr und offen gegen Sie gewesen – ohne dasselbe bei Ihnen erzielt zu haben. Ich will nicht zudringlich sein. – Entschuldigen Sie, daß ich Sie gestört habe.«

Sie war aufgestanden und wandte sich zur Tür, als sich diese in dem nämlichen Augenblick öffnete und ein fremder Bedienter in grauer Livree den Kopf hereinsteckte.

»Was wollen Sie, und wer hat Ihnen erlaubt, hier einzutreten?« rief ihm der Graf finster entgegen.

»Bitte tausendmal um Entschuldigung, Herr Rittmeister,« sagte der Bursche, den Blick dabei aber auf den Fremden geheftet, »ich habe zweimal geklopft und konnte Ihren Karl nirgends draußen finden.«

»Warten Sie dann draußen, bis er kommt oder bis ich Zeit habe,« lautete die eben nicht freundliche Antwort, und der Bursche verschwand mit einer tiefen Verbeugung, wie er gekommen.

Der Rittmeister hielt den Blick auf die Tür geheftet, aber er hörte keinen Schritt. Der Bediente stand jedenfalls noch vor der Türe und horchte. Madame Bertrand hatte aber indessen wieder mit großer Geschicklichkeit, den benachbarten Spiegel benutzend, den kleinen Schnurrbart befestigt. Dann sich gegen den jungen Mann tief verneigend, aber doch wieder mit dem vorigen Spott auf den Lippen, sagte sie laut, indes mit weit tieferer, als ihrer natürlichen Stimme: »Herr Graf von Geyerstein, ich habe die Ehre, mich Ihnen gehorsamst zu empfehlen.«

»Bleiben Sie noch,« bat der Graf sie leise, »lassen Sie mich erst den Horcher entfernen.« Dabei öffnete er rasch die Türe – der fremde Bediente stand aber nicht, wie er erwartet hatte, davor, sondern war verschwunden, und nur die draußen angelehnte und nicht wieder ins Schloß gedrückte Vorsaaltüre zeigte, daß er sich entfernt hatte.

»Die Bahn ist frei,« sagte Georgine mit ihrer natürlichen Stimme. Sich leicht gegen den Grafen verneigend, verließ sie rasch und jede weitere Begleitung zurückweisend, das Zimmer, und gleich darauf das Haus, warf sich in eine Droschke und fuhr ihrer eigenen Wohnung zu. Graf von Geyerstein aber schritt mit untergeschlagenen Armen und gesenktem Haupte rasch in seinem Zimmer auf und ab, ungeduldig dann und wann nach der Türe horchend, bis draußen die Vorsaaltüre aufs neue geöffnet wurde und Karl gleich darauf im Zimmer seines Herrn erschien.

»Herr Rittmeister,« berichtete er hier in militärischer, das heißt sehr steifer Haltung, »ein Bedienter Seiner Exzellenz des Herrn Kriegsministers von Ralphen wünscht...«