»Da hat der Baron recht,« bestätigte von Zühbig, »und nur aus diesem Grunde war auch mir das Begegnen dieser Leute – ich wurde genötigt, dort zu übernachten, weil ich ein Rad zerbrochen hatte – höchst interessant.«
»Gott, wie romantisch!« rief Silberglanz.
»Wenn man mit so vielen Menschen zu tun hat, wie unsereiner,« fuhr der Intendant fort, »so gewinnt man einen raschen Ueberblick über Charaktere und Seelenzustände, und ich glaube, ohne mir zu schmeicheln, daß ich mich darin als Autorität betrachten darf. Ich weiß wenigstens seit langen Jahren kein Beispiel, daß ich mich nach solchem gefaßten Urteil geirrt hätte. Demzufolge schien sich Monsieur Bertrand, oder besser gesagt: Baron von Geyfeln, außerordentlich behaglich in seiner neuen Würde zu fühlen.«
»Und seine Frau?«
»Aber was für Interesse nehmen Sie an dem Seelenzustand der Frau?«
»Nur ein allgemeines, meine Gnädigste, auf Parole; nur ein allgemeines. Herr von Zühbig wird mir darin recht geben.«
»Vollkommen, lieber Silberglanz,« lächelte Herr von Zühbig, und der Blick, den er dabei heimlich dem Baron zuwarf, hatte etwas von einem Faun, »die Frau schien sich übrigens, wie ich fest überzeugt bin, nicht glücklich in diesen Verhältnissen zu fühlen. Sie sprach mit Entzücken von ihren früher gefeierten Triumphen, sobald der Herr Gemahl nur einmal den Rücken wandte – was, beiläufig gesagt, sehr selten geschah.«
»Gemahl,« sagte Frau von Zühbig verächtlich, »ich glaube gar nicht, daß die beiden miteinander getraut sind.«
»Ist auch gar nicht notwendig, mein Schatz,« lächelte ihr Gatte, »und, wie du ganz richtig bemerkst, unter den stattfindenden Verhältnissen in der Tat unwahrscheinlich. Desto mehr gerechtfertigt bleibt aber dann meine Behauptung, daß sie sich nicht behaglich unter solcher Aufsicht fühlen könnte – wenn nicht Bertrand doch immer ein sehr hübscher, stattlicher Mann wäre.«
»Ich begreife aber nicht, daß Graf Geyerstein sie zusammenläßt.«