»Wird es nicht hindern können; es gäbe auch sonst zu viel Aufsehen. So verläuft die Sache ganz ruhig und gleichmäßig, denn Herr von Geyfeln ist dem Namen nach der Pachter seines dortigen Gutes, und daß der Eigentümer seine Pachtersleute dann und wann besucht und nach der Wirtschaft sieht, ist nicht mehr wie in der Ordnung, kann wenigstens keiner Seele auffallen.«
»Eine schöne Wirtschaft, die sie dort mitsammen führen werden!«
»Allerdings,« lächelte Herr von Zühbig, »Madame Georgine bleibt immer eine schöne Frau.«
»Es war sehr rücksichtslos von ihrem Gatten, euch so wenig allein zu lassen,« bemerkte etwas boshaft Madame.
»Mein bester Engel, du glaubst doch nicht etwa, daß...«
»Daß Monsieur Bertrand eifersüchtig wäre? – nein. Die Leidenschaft scheint er wenigstens nicht zu kennen. Aber weshalb sollte sich die Donna da unbehaglich fühlen?«
»Aus Langerweile, ma chere, jedenfalls aus Langerweile; denke nur, wie lange Graf Geyerstein schon wieder in der Stadt ist, und für eine Frau, die an ein solches Leben, wie das frühere, gewöhnt war, mag es wahrhaftig kein Spaß sein, auf einem Fleck in einer quasi Wildnis zu hocken.«
»Warum ist sie nicht bei ihrer Kunst geblieben?«
»Das ist mir auch unerklärlich,« versicherte Silberglanz.
»Aber bildschön ist sie, das muß man ihr lassen,« versicherte von Zühbig, vielleicht nur, um seine Frau damit zu necken. »Ich gebe Ihnen mein Wort, Baron, in dem kleinen Morgenhäubchen sah sie rein zum Anbeißen aus« – und er küßte dabei auf das zarteste die Spitzen des dritten Fingers und Daumens seiner linken Hand.