»Du bist immer sehr leicht entzündet, mon cher,« sagte seine Frau, »sie hat ein ganz alltägliches Gesicht, und nur hübsche Augen.«
»Was?« fuhr ihr Gatte erstaunt nach ihr herum, »Silberglanz, ich bitte Sie um Gottes willen, nehmen Sie meine Partei – Georgine nicht schön? Ich gebe dir mein Wort, Amelie, sie ist das verführerischste Weib, das ich in meinem Leben gesehen habe – present company, versteht sich, always excepted.«
»Sie hat auch Anbeter genug gehabt,« seufzte von Silberglanz, während Frau von Zühbig mit den Achseln zuckte.
»Und über die neuen die alten doch nicht vergessen,« lächelte mit einem bezeichnenden Blick Herr von Zühbig.
»Wieso?« fragte leicht errötend der Baron.
»Ein andermal,« beschwichtigte ihn der Intendant, und seine Frau sagte: »Du bist unausstehlich heute – aber, liebe Franziska, Sie sprechen ja kein einziges Wort mehr und sitzen da, stumm wie ein Fisch; doch natürlich, solches Interesse können wir nicht an der Dame nehmen, wie die beiden Herren da, die nur in der Erinnerung an sie in einer wahren Verzückung schwimmen.«
»Sie tun mir unrecht, gnädige Frau,« verteidigte sich von Silberglanz, »aber das Interesse, das wir an einer bekannten Persönlichkeit nehmen, noch dazu, wenn sie uns in solcher Art ins Gedächtnis zurückgerufen wird, ist wohl erklärlich. Fräulein von Zahbern wird ganz meiner Meinung sein.«
Fräulein von Zahbern war es in der Tat, ja, so überrascht durch die Nachricht geworden, daß sie im ersten Augenblick wirklich nur daran dachte, auf welche Weise sie dieselbe am besten verwerten könne. Durch Frau von Zühbigs Anrede kam sie auch erst wieder zu sich selbst und erwiderte darauf: »Nein, natürlich nicht – interessant bleibt es allerdings immer, aber was gehen uns eigentlich die Leute weiter an. Lieber Gott, man hat so viel mit sich selber zu tun, daß man sich wahrhaftig nicht auch noch um andere Menschen zu bekümmern braucht.«
»So laßt denn Monsieur Bertrand und seine Donna ruhen, wenn ich bitten darf,« sagte Frau von Zühbig, der das Gespräch unangenehm wurde. »Ich hätte dem Grafen Geyerstein einen besseren Geschmack zugetraut, aber über Geschmack läßt sich nicht streiten. Apropos, Geyerstein – die Alliance mit Melanie und Selikoff ist also so gewiß wie arrangiert.«
»Natürlich,« sagte von Zühbig, »das war vorauszusehen.«