»Ich bitte um Verzeihung!« rief Fräulein von Zahbern rasch, »so ganz bestimmt und ausgemacht ist die Sache doch noch nicht. Ich bin fast täglich im Ralphenschen Hause und müßte da auch etwas davon erfahren haben.«
»Liebe Franziska,« sagte Frau von Zühbig gutmütig, »ereifern Sie sich nicht; die Sache ist in der Tat so gut wie geschehen. Ich gebe Ihnen mein Wort darauf, und ich habe sehr sichere Quellen. Die Verlobung wird in drei Wochen bei Gelegenheit des Hochzeitstages der Exzellenzen bekannt gemacht werden, und der große Ball ist auch bis auf jenen Tag verschoben worden. Sie sehen, daß ich ganz genau unterrichtet bin.«
»Und Sie glauben wirklich?«
»Von glauben ist da gar keine Rede mehr, liebe Franziska, die Sache ist geschehen, und ich denke, Melanie macht an dem Russen eine bessere Partie, als an dem armen Grafen Geyerstein.«
»Nun, mein Kind, Geyerstein ist doch nicht so arm?«
»Er braucht dann sehr viel, mein liebes Herz, denn hier in der Stadt wissen wir genau, daß er sich, in der letzten Zeit besonders, außerordentlich eingeschränkt und nur das Allernötigste ausgegeben hat. Lieber Gott, so etwas kann ja in den Verhältnissen, in denen wir nun einmal leben, kein Geheimnis bleiben und spricht sich aus. – Aber was ist das, Sie wollen schon fort?«
»Mama erwartet mich,« sagte Fräulein von Zahbern, die aufgestanden war und ihren Schal festigte, »es ist auch schon spät, und nach so langer Abwesenheit werden Sie mit Ihrem Herrn Gemahl noch manches zu besprechen haben.«
»Aber Sie können doch nicht allein gehen?«
»Wenn mir das gnädige Fräulein erlauben, werde ich Sie begleiten,« sagte Baron Silberglanz, ebenfalls aufstehend. »Fräulein von Zahbern hat recht, es ist Zeit, daß wir gehen.«
»Aber ich bitte Sie, Baron.«