»Irgend eine, bester Freund,« versicherte Frau von Zühbig nachlässig. »Lieber Gott, Franziska ist nun einmal in den Jahren, in denen sie einen Mann bekommen muß – wenn sie sich nicht ihr übriges Leben ohne einen solchen behelfen soll, und ich glaube kaum, daß sie sehr wählerisch darin sein würde. Natürlich ist ihr der beste der liebste. – Aber was war denn das, worüber du dich noch mit Silberglanz besprechen wolltest?«

»Ich? – mit Silberglanz?«

»Wegen der Donna.«

»Ach so,« lachte der Intendant, »weiter nichts als ein Scherz, liebes Kind. Der arme Silberglanz war bis über die Ohren in jene Kunstreiterin verliebt, und rein toll vor Eitelkeit, wie er einmal ist, glaubt er alles, was dem Nahrung gibt. Ich werde mir einen Scherz mit ihm machen und ihm erzählen, daß sich Georgine angelegentlich nach ihm erkundigt und mir unter der Hand zu verstehen gegeben habe, daß ich ihn wissen lassen möchte, wo sie schmachte.«

»Du irrst dich darin doch vielleicht in dem Baron.«

»Gott bewahre, liebes Herz – ich irre mich nie. Aber ich bin müde, mein Schatz, und werde heute früh zu Bett gehen. Bitte, laß mir noch die indessen eingegangenen Briefe und Zeitungen bringen.« Frau von Zühbig läutete, und ihr Gatte saß bald, behaglich im Sofa zurückgelehnt, hinter einem Haufen aufgerissener Papiere.

21.

Frau von Zühbig kannte ihre Freundin Franziska so genau wie Herr von Zühbig den Baron, und beide verließen an dem Abend das Zühbigsche Haus trotz aller Freundschaftsbezeugungen mit einem Stachel im Herzen, der aber nur die junge Dame wirklich schmerzte. Unterwegs blieb sie auch außerordentlich einsilbig, trotz aller Bemühungen des Barons, der es für seine Pflicht hielt, sich liebenswürdig zu machen. Zu Hause angekommen, sagte sie ihrer Mutter kaum guten Abend, schloß sich dann in ihr Zimmer ein, warf sich in ihr Sofa, und ihr Gesicht in die Hand stützend, starrte sie finster brütend vor sich nieder. Fräulein von Zahbern hatte Augenblicke, in denen sie hübscher aussah als in diesem.

»Also doch,« murmelte sie leise vor sich hin, mit dem Fuße dabei den Teppich schlagend, »also doch! – Diese kokette Ralphen, dieses unreife, eingebildete Ding, voll Kapricen und Launen! Und wie scheinheilig und unschuldig die – Person gegen mich tat! ob ihr je ein Wort davon über die Lippen gegangen wäre! Das ist Freundschaft, das ist Vertrauen – die kleine giftige Schlange, die! Und was für eine Ursache nur sie und Geyerstein auseinander gebracht haben mag? – Sie hat ihn geliebt, ich weiß es bestimmt, ja, meinen Kopf möcht' ich zum Pfande setzen, daß sie ihn noch liebt; sie kann sich einmal nicht verstellen, so viel Mühe sie sich gibt, und als ich ihr neulich nur den Namen nannte, wurde sie bald blaß und bald rot. Hätte ich damals meinen Vorteil verfolgt, ich glaube, ich hätte sie zu einem Geständnis bringen können, aber meine alberne Gutmütigkeit ließ es nicht zu. Gutmütigkeit für solches Entgegenkommen! – Doch warte,« setzte sie entschlossen hinzu, als sie aufsprang und mit raschen Schritten in ihrem Zimmer auf und ab lief, »jetzt hab' ich dich! Liebt sie den Geyerstein wirklich noch, so ist er auch zurückgetreten und nicht sie, und das zu erfahren, hab' ich jetzt ein prachtvolles Mittel. Die Zühbigsche Nachricht ist Gold wert, und daß ich ihr das Gift tropfenweise beibringe, darauf kann sie sich verlassen. Hat sie Selikoff wirklich so fest umgarnt – ist die Verbindung beschlossen und festgesetzt, wie diese boshafte Zühbig behauptet, so kann ich darin so nichts mehr verderben – nur meine Rache will ich noch haben. Der Wurm krümmt sich, wenn er getreten wird, aber die Schlange sticht, und ich will selber jetzt einmal die Zeitlang die Schlange spielen. Wie sie die Neuigkeit wohl aufnehmen wird? – Ich bin neugierig, ob sie sich so weit verstellen kann! – Aber nein, dazu fehlt ihr Charakterstärke, denn sie ist ja noch weiter nichts als eine arme, hilflose Kokette.«

Fräulein von Zahbern hatte sich selber in eine recht fatale, unangenehme Laune hineingedacht und gesprochen, und würde, um dem Resultate zu entgehen, wenn andere Personen gegenwärtig gewesen wären, jedenfalls zu Tränen und Krämpfen ihre Zuflucht genommen haben. Eingeschlossen aber in ihr Zimmer, dachte sie an nichts derartiges, sondern kleidete sich aus, ging zu Bett und grübelte unter der warmen Decke über die Rachepläne weiter.