»Ja, mein bester Herr von Zühbig – Sie – Sie wissen doch, daß ich Sie schon früher gebeten hatte, mir sicher für die neue Oper eine Loge reservieren zu lassen?«

»Allerdings.«

»Das wollte ich Ihnen gern noch einmal ans Herz legen, daß Sie es ja nicht vergäßen. Ich habe es einer befreundeten Familie fest versprochen und möchte nicht wortbrüchig werden.«

»Das ist allerdings viel Aufopferung,« versicherte Herr von Zühbig, »daß Sie sich, nur um ein Versprechen zu halten, dem hiesigen Madeira und Kaviar aussetzen. Weiter war es nichts?«

»Weiter? – nein – nicht daß ich wüßte – Ihre Gesellschaft allerdings ausgenommen« – von Zühbig verbeugte sich leicht und lächelnd. »Allein schmeckt mir der Wein auch nicht,« fuhr der Baron fort, »und es plaudert sich am besten zu zweien. Apropos, haben Sie auf Ihrer letzten Reise einige Jagden mitgemacht?«

»Nein, Sie wissen ja, ich hatte keine Zeit dazu.«

»Sonst – haben Sie keine Bekannten unterwegs getroffen?«

»Sonst? – ah so, Sie meinen außer dem Monsieur Bertrand und seiner schönen Frau,« erwiderte Herr von Zühbig, und ein eigenes Lächeln zuckte um seine Lippen. Er wußte jetzt, wo hinaus sein teilnehmender Freund wollte, und mit einigem trocknen Humor, den er besaß, fühlte er sich gerade in der Stimmung, ein halb Stündchen Zeit damit zu töten, Herrn von Silberglanz ein wenig zu dupieren. Er konnte ihn außerdem nicht leiden – vielleicht nur weil ihn Frau von Zühbig protegierte – vielleicht, weil er im stillen den neugebackenen Adel mit Geringschätzung betrachtete. Viele, sehr viele der Hautevolee, Herr von Zühbig nicht ausgenommen, würden sich auch wenig um den jungen Baron mit seinem unangenehm eitlen Wesen gekümmert und ihn vollständig links liegen gelassen haben, wenn – sie ihn eben hätten entbehren können. Herr von Silberglanz war aber sehr reich und gegen den hohen Adel – zu dem zu gehören er den größten Stolz fühlte – sehr liberal, und die Konsequenz daraus ist leicht zu ziehen.

Herr von Zühbig brauchte ebenfalls sehr häufig Geld, und je nachdem dieses Bedürfnis stieg oder sank, stieg und sank auch zugleich sein Freundschaftsthermometer für den Baron. Ganz fallen lassen konnte er ihn aber nie, und unter vier Augen oder im kleinen Familienkreise war er die Herzlichkeit selber; öffentlich jedoch machte er keinen Staat mit ihm und vermied ihn, wo es nur irgend schicklicherweise geschehen konnte.

»Nein, lieber Freund,« setzte von Zühbig deshalb, wie sich besinnend, hinzu, »nicht daß ich wüßte. Keinesfalls irgend eine hervorragende Persönlichkeit, für die Sie sich besonders interessieren würden.«