»Ich muß dahin – in Geschäften für meinen Papa, den alten Baron. Die Zeit ist aber noch nicht bestimmt und hängt eben von Umständen ab. Wahrscheinlich werde ich den Rest des Winters dort zubringen.«

»Ach, da beneide ich Sie; wer da mit könnte!« seufzte von Zühbig, indem er von seinem Sitze aufstand und an sein Glas schlug.

»Sie wollen schon fort?«

»Ja, ich werde nervös, wenn ich noch länger hier in dem einsamen Keller sitzen bleibe. Ich habe schon jetzt ein Gefühl, als ob wir durch irgend einen tückischen Zufall verschüttet wären und nun erst, nach einigen tausend Jahren, bei gelegentlicher Bohrung eines Brunnens als getrocknete Ueberreste eines vorsündflutlichen Menschengeschlechts wieder an die freie Luft gebracht würden. Hier, Garcon, für Ihren frischen Madeira und alten Kaviar der Sündenlohn – das für Sie, für schlechte Behandlung – au revoir.«

»Danke untertänigst,« lächelte der Kellner.

»Aber so warten Sie doch nur einen Moment!« rief von Silberglanz, seinen Wein rasch austrinkend, »ich begleite Sie.«

»Sehr wohl,« sagte von Zühbig, dem daran nicht einmal besonders viel lag; der Baron war aber bald an seiner Seite, und die beiden Männer stiegen zusammen die Kellertreppe hinauf, die sie wieder in Licht und Sonnenschein und an die frische, wenn auch kalte Luft führte.

Als sie das Trottoir betraten, ritt ein Kürassieroffizier im Schritt vorüber, ohne sie jedoch zu sehen. Er hielt den Zügel locker in der Hand und sah ernst und schweigend, den Kopf weder rechts noch links drehend, vor sich nieder.

»Graf Geyerstein,« flüsterte der Baron seinem Begleiter zu, und als ob der Graf seinen ausgesprochenen Namen gefühlt habe, denn die Klänge des gelispelten Wortes konnten sein Ohr nicht erreichen, drehte er langsam den Kopf nach ihnen um. Die beiden Herren lüfteten die Hüte; der Graf erwiderte den Gruß, indem er seinen Arm nur etwas hob, und ritt vorbei.

»Wetter auch,« sagte von Zühbig, »wie blaß und elend Geyerstein geworden ist, seit ich ihn nicht gesehen habe! Ich hätte ihn fast gar nicht wiedererkannt.«