»Ach du mein Himmel, das habe ich in dem Schreck ganz vergessen!«
»Dann müssen Sie es hier hereinschaffen. In die eiskalte Stube können wir den Herrn nicht führen.«
»Soll gleich alles besorgt werden!« rief Sibylle, die in dem Augenblick selbst den armen Tobias über das Frühstück vergaß. Im nächsten schoß sie auch schon wieder den Gang entlang, und Herr von Silberglanz atmete freier. Vergebens suchte er aber das Gespräch auf den früheren Gegenstand zurückzulenken; Georgine wich ihm entschieden aus, und bald wurden draußen wieder Schritte laut, denn die Hausmagd kam mit den bestellten Speisen, deckte den Tisch mit zwei Kuverts und blieb, auf Georginens Befehl, im Zimmer, falls noch etwas gebraucht werden sollte, bis ihr Gast gegessen und getrunken hätte. Georgine selber nippte nur an einem Glase Wein, das Herr von Silberglanz für sie eingeschenkt.
Erst wie er abgegessen, verließ die Magd das Zimmer wieder, um das Geschirr fortzutragen, und Georgine wandte sich jetzt an ihren Gast: »Herr von Silberglanz,« sagte sie, und so kalt und ruhig sie dabei blieb, bebte doch ihre Stimme und verriet die Aufregung, in der sie sich befand, »ich muß Sie jetzt bitten, mich zu verlassen und heute nicht zu mir zurückzukehren.«
»Den ganzen Tag nicht – und wollen Sie meinen Tod?«
»Lassen Sie jetzt Ihre Uebertreibungen,« unterbrach ihn die Frau, und ihre Brauen zogen sich finster zusammen. »Sollte ich noch in den Fall kommen, Ihren Beistand in Anspruch zu nehmen, so müssen Sie dabei wie ein Mann, nicht wie ein junger verliebter Geck handeln, und vor allem dürfen wir hier keinen Verdacht erregen. Sind Sie in eigener Equipage gekommen?«
»Nein, mit einem Lohnkutscher von der letzten Eisenbahnstation.«
»Desto besser. Haben Sie irgend einen vernünftigen Vorwand, sich heute den Tag über hier im Orte aufzuhalten?«
»Vortrefflichen,« lautete die rasche Antwort, »ich erkundige mich nach den Kornpreisen und sehe mir das Getreide an, kaufe auch, wenn ich es zu einem annehmbaren Preise bekommen kann, und adressiere es an eine Firma in ***.«
»Sehr gut. Auf wie lange haben Sie Ihren Kutscher gemietet?«