»Befehlen Sie über mich.«
»Jetzt nicht. Tun Sie, was ich Ihnen gesagt habe. Beschäftigen Sie sich heute ausschließlich mit dem Getreide in Schildheim. Morgen früh aber vor Tage schicken Sie Ihren Kutscher mit dem Gepäck nach Hottweil, der nächsten Eisenbahnstation. Ich selber werde Ihnen heute abend spät noch eine Kiste und einen Koffer hinunter senden, die er mitnimmt.«
»Sie machen mich zum Glücklichsten der Sterblichen!« rief von Silberglanz, der über diese rasche Wendung, wie den kaum geahnten, seine kühnsten Hoffnungen überschreitenden Erfolg selber so erstaunt war, daß er keine Worte fand, seine Bereitwilligkeit auszudrücken. »Und morgen?«
»Morgen früh um zehn Uhr kommen Sie wieder zu mir, das weitere zu erfahren,« erwiderte Georgine, die kalt und besonnen ihren Plan überdachte. »Ich weiß nicht, wie weit ich selber imstande sein werde, bis dahin meine Vorkehrungen zu treffen. – Aber noch eins: Nehmen Sie heute die Gelegenheit, einen Spaziergang in den Wald zu machen. Dort lassen Sie sich die Zaubereiche zeigen und merken sich genau den nächsten Weg dorthin. Einen Führer finden Sie überall.«
»Schön, sehr schön; es soll alles pünktlich ausgeführt werden; aber Ihre Pläne, gnädige Frau! Wollten Sie nur die Güte haben, mir in etwas – in der größten Kleinigkeit Ihre Pläne mitzuteilen, daß ich meine eigenen Maßregeln...«
»Morgen,« erklärte Georgine bestimmt. »Mein Kopf brennt mir; bitte, lassen Sie mich jetzt allein, daß ich Zeit habe mich zu sammeln, lieber Baron.«
»Ihr Wille ist mir Befehl!« rief von Silberglanz, der dem lieben Baron nicht widerstehen konnte. »Holde Georgine, Sie haben mich in Ihrer Hand – Sie können mich um den kleinen Finger wickeln – Sie können alles, alles mit mir machen – ich kenne Hugo von Silberglanz nicht mehr – Hugo von Silberglanz ist ein anderer Mensch geworden – er ist eigentlich gar kein Mensch mehr, er ist ein Gott – er geht nicht mehr auf der Erde, er fliegt – er schwimmt in einem ganzen Ozean voll Wonne.«
Er hatte Georginens Hand ergriffen und bedeckte sie mit seinen Küssen; aber es war kein Liebesblick, der dabei aus ihren Augen auf ihn fiel. Wieder zuckte der schmerzlich-böse Zug um ihre Lippen, und ihm ihre Hand endlich entziehend, deutete sie mit einer bittenden Bewegung nach der Tür; von Silberglanz vermochte jetzt auch nicht länger ihrem Wunsche zu widerstreben. Gern wäre er freilich noch kühner geworden, aber der Frau ernste Haltung entmutigte ihn wieder – er mußte ihr erst Zeit lassen. Morgen – morgen sollte er seinen Triumph feiern, und mit einem schmachtend süßen Blick auf das von ihren Gefühlen erregte, wirklich wunderschöne Weib griff er seinen Hut auf und verließ rasch das Zimmer und das Gut.
Ende des zweiten Bandes
Hinweise zur Transkription