P. S. Da du mich nach dem Namen des traurigen Individuums fragst, das meine Frau zu ihrer Flucht benutzte, so schreibe ich ihn dir. – Er nennt sich Baron Hugo von Silberglanz.«

Wolf hatte den Brief wieder und wieder gelesen. Er war aufgestanden und ging mit raschen Schritten in seinem Zimmer auf und ab.

»Er darf nicht fort!« flüsterte er dabei, »nicht nach Amerika! Er ist das letzte Herz, das hier noch mir gehört – wir gehen zusammen fort von hier – nach Ungarn. Brennt doch der Boden auch mir unter den Füßen. Gott sei Dank, daß er kommt – besprochen ist so etwas besser als geschrieben, und er wird – er könnte nicht von mir gehen – wüßte er nur den tausendstel Teil von dem, was ich um ihn hier leide,« setzte er mit leiser, kaum hörbarer Stimme hinzu.

Mit dem Entschlusse, seine Stellung hier aufzugeben und die Stadt selber, die so viele trübe Erinnerungen für ihn barg, zu verlassen, kam auch plötzlich Ruhe über ihn. Er ordnete seine Papiere und ließ sich dann bei dem Fürsten melden. Der Fürst war aber auf die Jagd gefahren und wurde erst am nächsten Abend zurück erwartet. Die Lakaien schlenderten müßig im Schlosse herum und zählten vor lauter Langerweile die Fensterscheiben.

Karl, der Bursche des Rittmeisters, hatte indessen mehr Beschäftigung, denn ihm war der Auftrag geworden, zwei Zimmer für Gäste herzurichten, mit allem Nötigen zu versehen und ordentlich durchwärmen zu lassen, da der Besuch jeden Augenblick eintreffen konnte.

An dem Abend war Soiree bei Herrn von Zühbig und Graf Geyerstein ebenfalls eingeladen worden – der sich aber entschuldigen ließ. Gegen Abend, als er durch die Stadt ging, traf er den Baron zufällig auf der Straße.

»Aber lieber, bester Freund,« schoß dieser auf ihn zu, »zu meinem unendlichen Leidwesen höre ich eben, daß Sie uns heute abend Ihre unschätzbare Gegenwart grausamerweise entziehen wollen. Meine Frau ist ganz untröstlich darüber.«

»Das bedaure ich in der Tat,« sagte der Rittmeister kalt, »unaufschiebbare Geschäfte verhindern mich indes, da ich in nächster Zeit wieder länger abwesend sein werde.«

»Sie wollen wieder auf Urlaub gehen?« fragte Herr Zühbig rasch, und innerlich frohlockte er dabei über die frisch aufgefangene Neuigkeit.

»Ja,« erwiderte der Rittmeister, der den Grund nicht ahnte, weshalb sich der Baron in solcher Weise dafür interessierte.