»Nein, das nicht,« lächelte Wolf, »aber deine Pläne wirst du den meinen schon fügen müssen, aus Liebe zu mir. Doch deinen Kinderraub mußt du mir ausführlicher, als es durch den Brief geschehen, erzählen. Merkwürdig, daß nichts davon in den Zeitungen stand.«
»Das Ganze ging zu rasch,« lächelte Georg, »und Royazet wäre der letzte gewesen, es bekannt zu machen. Er mag außer sich genug gewesen sein, daß bei seinem prunkenden Zuge ein anderes Pferd ihn überbieten konnte. Meinen Rappen aber holt keins von seinen Tieren ein. Ich sah, wie Georgine erbleichte, als ich vorüberbrauste – die Falsche – keine Ader meines Herzens schlägt mehr für sie; mag sie dem Leben bleiben, dem sie sich geweiht. Das alles aber erzähle ich dir ausführlich, wenn wir heute abend still und traulich beisammensitzen. Du bist doch nicht beschäftigt?«
»Mit keinem Gedanken, ich gehöre euch; und nun zu den Kindern, daß wir die begrüßen!« Und seines Bruders Arm ergreifend, wollte Wolf eben mit ihm das Zimmer verlassen, als Karl, ein sehr bedenkliches Gesicht ziehend, die Tür öffnete und herein meldete: »Herr Rittmeister, halten zu Gnaden, eine Dame ist draußen, die nach Ihnen fragt.«
»Eine Dame? – nach mir?« rief Wolf erstaunt, des Bruders Arm loslassend, »das ist wohl ein Irrtum.«
»Nein; sie fragte nach dem Herrn Rittmeister von Geyerstein.«
»Eine junge Dame?«
»Halten zu Gnaden, nein; sie ist schon in den Jahren, sieht aber sehr vornehm aus.«
»Und hast du nicht nach ihrem Namen gefragt?«
»Sie wollte ihn nicht nennen. Ich sollte dem Herrn Rittmeister nur sagen, eine Dame wünsche ihn zu sprechen.«
»So geh allein voran, Georg; ich folge dir gleich nach,« sagte Wolf. »Gott weiß, wer es ist! Ich werde keineswegs lange aufgehalten werden. Wir frühstücken dann zusammen.«