Noch an demselben Nachmittag erreichten sie die Colonie, in der sich in den Tagen Nichts verändert hatte, das ausgenommen, daß die Erbitterung gegen den Director fast noch mit jedem Tage gestiegen war. Herr von Reitschen verkehrte jetzt auch nur noch mit dem Baron und der Gräfin; die gewöhnlichen Colonisten durften seine Stube gar nicht mehr betreten und wurden stets auf dem Vorsaal abgefertigt, wo sie mit abgezogenem Hut warten mußten, bis der Herr Director einmal einen Augenblick zu ihnen heraustrat.
Günther von Schwartzau ließ sich übrigens, als er Alles das erfuhr, gar nicht bei ihm melden und sandte ihm nur ein paar Zeilen, worin er ihm anzeigte, daß er seine Arbeiten in der Colonie beendet habe und mit der ersten Gelegenheit nach Rio Janeiro gehen würde. Wünsche der Herr Baron ihn zu sprechen, so sei er Morgens bis zehn Uhr in Bohlos' Hotel zu finden.
Natürlich kam Herr von Reitschen, über eine solche Zumuthung empört, nicht, arbeitete aber dafür sehr fleißig an verschiedenen Depeschen, die allen möglichen ungünstigen Berichten in Rio entgegenwirken sollten. Wußte er doch recht gut, daß er an Herrn von Schwartzau keinen Fürsprecher finden würde.
Könnern hatte den Mittag wieder einen vergeblichen Versuch gemacht, bei dem Gefangenen vorgelassen zu werden, und saß eben in seiner Stube mit einiger Correspondenz beschäftigt, die Günther mit nach Rio nehmen sollte, als es an die Thür klopfte. Er rief: »Herein!« und im nächsten Augenblicke steckte Jeremias sein dickes, gutmüthiges Gesicht, aber mit einem besondern Grad von Vorsicht, in die Thür.
»Heda, Jeremias!« rief Könnern, der den kleinen, komischen Burschen gern leiden mochte, noch dazu da er wußte, wie treu er früher an Sarno gehangen – »läßt Du Dich denn auch einmal wieder sehen?«
»Wieder sehen?« sagte Jeremias, nachdem er sich überzeugt hatte, daß Könnern allein im Zimmer sei – »Sie haben mich wohl erwartet, und ich laufe mir seit beinahe einer Woche im ganzen Neste die Beine ab und suche den Herrn Könnern in allen Winkeln und Ecken.«
»Mich – und weshalb? – Ich war im Walde draußen.«
»Na ja, das hab' ich mir etwa gedacht, aber – wollen Sie mir einen Gefallen thun?«
»Wenn ich kann, recht gern, doch jetzt bin ich beschäftigt.«
»Wie lange?«