»Haben Sie ihn?« schrie er schon von Weitem.
»Hier liegt er – er ist sicher – aber was haben Sie dort?«
»Des Schneiders Uhr, die der Schuft auf der Flucht von sich warf. Ich sah, wie er etwas Blankes in die Büsche schleuderte, und sprang danach, da ich Sie dicht hinter ihm wußte. Die Uhr hebt den letzten Zweifel. Da liegt die Canaille – ist er todt? Den Teufel auch, wie wir aussehen, der hat uns noch eine hübsche Hetze gemacht! – Wenn ich nur meine Hunde hier gehabt hätte!«
Bux lag auf dem Gesicht und rührte sich nicht – nur sein schweres, hastiges Athmen verrieth, daß er noch lebe. Könnern sah schaudernd auf die vor ihm ausgestreckte, regungslose Gestalt.
»Wir haben's übernommen, Graf,« sagte er ernst, »und jetzt auch durchzuführen, denn den Cadaver hier müssen wir in die Colonie schaffen, und wenn er sich zu gehen weigert, bleibt uns nichts Anderes übrig als ihn auf ein Pferd zu binden.«
»Wir wollen ihm schon Beine machen,« sagte Rottack finster, »denn Mitleid verdient die Canaille nicht. – Aber dort drüben ist ein Weg, Könnern, bei Gott – und da hinten liegt das Haus – wir sind dicht an der Chagra.«
»Desto besser,« sagte Könnern, »dann können wir vielleicht von dort Hülfe bekommen. Vor allen Dingen müssen wir den Burschen erst einmal binden. Hat er Sie verwundet? Sie bluten?«
»Es ist gar Nichts,« lachte der junge Mann – »eben nur geritzt, nicht einmal so schlimm wie einer von den verdammten Dornen – das ist wirklich niederträchtiges Zeug! Aber der Gesell kann nicht hier liegen bleiben – holla, Freund – steh' auf, Deine Zeit ist um und Du mußt wieder wandern.«
»Nehmen Sie sich in Acht, Rottack,« sagte Könnern – »trauen Sie ihm nicht!«
»Er ist fertig,« rief aber der junge Graf, Bux an der Schulter nehmend und heftig schüttelnd. – »Sei jetzt vernünftig; Widerstand kann Deine Sache nur noch verschlimmern, denn in die Colonie mußt Du mit zurück, und wenn ich Dich auf meinem Rücken hineintragen sollte.«