Bux regte sich nicht.

»Willst Du nicht gehorchen? – gut, dann darfst Du Dich auch nicht beklagen!« – und mit den Worten hatte er ein dünnes aber starkes Seil aus der Tasche genommen, legte die obere Schlinge desselben leicht um die ausgestreckte Hand des Regungslosen und wollte eben den andern Arm ergreifen, um beide zusammenzuziehen. Wie aber Bux die Fessel an der Hand fühlte, schnellte er sich in letzter Verzweiflung vom Boden empor – doch zu spät. Könnern, der ihn scharf beobachtet hatte, ließ in demselben Moment sein Gewehr fallen und faßte seinen andern Arm. Bux wollte sich losreißen, aber seine Kraft reichte nicht aus, und zwei Minuten später, während er mehr wie ein wildes Thier als wie ein Mensch um Hülfe brüllte, war er gebunden und in den Händen seiner Verfolger.

»So,« sagte Könnern, indem er das Ende der Leine um den nächsten jungen Stamm schlug, »jetzt sein Sie so gut, nehmen Sie mein Gewehr und halten Sie bei dem Burschen eine kurze Wacht, während ich hinunter in das Haus springe und nachsehe, was dort für Leute wohnen und ob sie uns Etwas nützen können.«

»Thäten wir nicht besser, wir schafften ihn gleich zum Hause hinunter und holten dann seine Familie und unsere Pferde nach?«

»Vielleicht kann ich Jemanden aus dem Hause nach den Thieren schicken, daß wir den Hang nicht wieder hinaufbrauchen. Es ist jedenfalls besser, wir wissen erst wer hier unten wohnt.«

»Gut, dann bleiben Sie nur nicht zu lange; daß er mir indessen nicht entwischt, dafür will ich schon sorgen.«

Könnern kletterte zu dem Weg hinunter, von dem sie hier nur noch durch einen kleinen, terrassenartigen Felskamm getrennt wurden, und schritt rasch darauf hin dem Hause zu, als er von dorther einen Mann sich entgegenkommen sah. »Habt Ihr um Hülfe geschrieen?« fragte ihn dieser schon von Weitem in portugiesischer Sprache. »Was ist denn geschehen? Seid Ihr angefallen?«

»Gerade das Gegentheil, Senhor,« erwiederte Könnern – »wir haben einen Verbrecher verfolgt und eingeholt, der von Santa Clara entflohen war und, wie es scheint, die Richtung nach Eurer Chagra genommen hatte. Könnt Ihr uns helfen, ihn zu transportiren?«

»Jetzt nicht,« sagte der Mann, der stehen geblieben war und Könnern erwartete, indem er traurig mit dem Kopf schüttelte – »ich habe einen Sterbenden oder Todten da drin in der Hütte und kann den nicht verlassen.«

»Das thut mir recht leid, daß wir Euch zu so ungelegener Zeit gestört haben,« sagte der junge Mann theilnehmend, »Ihr habt Krankheit in Eurer Familie gehabt?«