Die Sonne ging unter, und die Straße von Zuhbel's Chagra herein kam unser alter Bekannter Köhler und hielt an des Schneiders Justus' Haus. Es war finster in der Arbeitsstube Kernbeutel's; aber der junge Mann ritt dicht an das Fenster und klopfte mit der Hand an eine der Scheiben. Niemand antwortete, und er klopfte stärker. Endlich ging in der Stube eine Thür auf und die Frau kam herein.
»Na,« sagte sie, »was giebt's? Wer klopft da?«
»Ist der Justus zu Hause?«
»Der Liedrian!« keifte die Frau; »wer weiß; wo der die Nacht trunken gelegen hat und jetzt seinen Rausch ausschläft. O, Du mein Herrgott, wie oft habe ich die Stunde schon verschworen, wo ich das nichtsnutzige Mannsbild zum ersten Mal mit Augen gesehen habe — aber ich mag die Wirthschaft auch nicht länger mit ansehen und gehe aus dem Hause!«
»Was, der ist noch nicht von seinem Ball zurück?« rief Köhler ärgerlich. »Da ist mein Rock auch noch nicht fertig, und er hat sich verschworen, daß ich ihn heute Morgen haben sollte.«
»Wer hätt' ihn sollen fertig machen — ich?« knurrte die Frau — »weiter fehlte auch Nichts mehr; die Schinderei hab' ich so schon allein, soll ich auch noch die Arbeit für den Lumpen thun?«
»Ist er denn bei Zuhbels oben?«
»Ja, was weiß ich, wo er sich herumtreibt!« sagte die Frau und schlug ärgerlich die Thür wieder hinter sich zu.
»Schöne Wirthschaft, das,« brummte Köhler vor sich hin, als er sein Pferd wieder zurück auf die Straße und heimwärts lenkte; »aber soll mich Dieser und Jener holen, wenn ich bei dem liederlichen Halunken auch je wieder ein Stück arbeiten lasse!« —