In dem kleinen Käfterchen, das Bux in Buttlich's Hause mit seiner Familie bezogen, saß die Familie Bux beim Abendbrod. Die Frau hatte das jüngste Kind, das wieder recht unruhig war, an der Brust und saß auf einer kleinen Kiste neben der Holzlade, die zum Tisch dienen mußte, während an dem andern Ende Bux selber rittlings Platz genommen. Rechts und links von ihm kauerten die beiden älteren Kinder, und ein Stück gekochtes Rindfleisch mit schwarzen Bohnen, wie außerdem eine Flasche Schnaps, der Bux schon ziemlich lebhaft zugesprochen, standen in der Mitte.

»So freßt Euch heute einmal satt!« lud Bux die Familie ein; »wer weiß, wann's wieder Fleisch in den Topf giebt. Und Du, bring einmal den Balg zum Schweigen, oder ich werf' es, Gott straf' mich, vor die Thür hinaus — und Dich mit!«

Bux hatte nicht seinen beau jour; er sah wüst und wild um die Augen aus, deren eines roth unterlaufen war, wie nach einer Schlägerei. Auch ein paar Schrammen trug er in dem ungewaschenen Gesicht, und um die linke Hand einen schmutzigen Lappen gebunden. Der häufig genossene Branntwein war ihm dazu schon etwas in den Kopf gestiegen, und immer wieder auf's Neue hob er die Flasche an die Lippen.

»Ach Du lieber Gott!« stöhnte die Frau, indem sie von ihrem langersehnten Mahl aufstand und das Kind in der Stube herumtrug — denn es wollte die Brust nicht mehr nehmen, die ihm ja doch keine Nahrung bot — »ich wollte, Du würfst uns Beide nur hinaus und gleich in's Wasser, da wärst Du uns mit Einem Mal los, und uns — wär's auch wohl da unten!«

»Halt's Maul und mach' mir den Kopf nicht wild,« schrie der Mann — »heute wollen wir lustig sein, und ich will die Heulerei nicht haben! Hast Du mich verstanden?«

Die Frau schwieg und suchte das Kind zu beschwichtigen, das jetzt, so lange es auf und ab getragen und geschüttelt wurde, auch ruhiger war, und der Mann fuhr, seine Gabel vor sich hin auf die Lade werfend, mit zusammengebissenen Zähnen fort:

»Gott verdamm' mich, nicht einmal das Bißchen Fressen kann man in Ruhe verzehren, mit so einer himmelhundischen Last am Bein! Macht mir den Kopf nicht warm, das sag' ich Euch, denn ich bin heute gerade guter Laune und will mir den Abend nicht verderben lassen!« — Und dabei sprach er wieder fest der Flasche zu. Dann aber schnitt er das Fleisch in kleine Stücke und schob es den Kindern hin, die scheu und stumm darüber herfielen, denn der Vater saß ihnen zu nahe, als daß sie hätten wagen dürfen ein Wort einzuwerfen. Auch die Frau kam endlich wieder herzu, denn das Kind war ihr im Arm eingeschlafen, und sie legte es leise auf die im Winkel zusammengeschobenen Lumpen, die ihm zum Bettchen dienten.

»Da, trink' einmal,« sagte der Mann endlich und schob ihr, als die Mahlzeit schon fast beendet war, die Flasche hin.

»Ich kann nicht,« lehnte die Frau ab — »der Schnaps ist mir zu scharf — er brennt mir den Hals entzwei und — möchte auch dem Kinde schaden.«

»Kinde schaden,« brummte der Mann unwirsch — »so laß es bleiben — soll Dir's auch wohl noch eingießen, die Gottesgabe« — und er hob die Flasche an den Mund und leerte den noch darin befindlichen Rest auf Einen Zug.