Die Frau sah ihm ängstlich zu, sagte aber kein Wort; sie wußte recht gut, daß sie ihn in diesem halbtrunkenen Zustande nicht reizen durfte, und Bux schien wirklich heute Abend guter Laune, denn er schob die Flasche zurück, nahm seinen Pfeifenstummel aus der Tasche, stopfte sich denselben und legte sich dann, den blauen Dampf in das Dunkel hineinqualmend, in die Ecke auf sein Lager.
»Ist der Junge beim Justus drüben gewesen und hat ihn eingeladen, uns zu besuchen?« fragte er endlich; »hätt's beinahe ganz vergessen, und von dem Lumpengesindel sagt Einem auch keines Antwort, wenn man einmal 'was bestellt.«
»Ich war drüben, Vater,« sagte der Knabe, »aber der Mann war noch nicht nach Haus gekommen; wenn er käme, wollt's ihm die Frau bestellen.«
»So? — hm — hahaha,« lachte Bux vor sich hin — »liederlicher Strick, wo der sich wieder einmal herumtreibt! — Sonst war Niemand da, der nach mir gefragt hätte, wie ich da vorhin lag und schlief?«
»Niemand als der Fleischer, der sein Geld haben wollte,« sagte die Frau.
»Soll zum Teufel gehen!« brummte der Mann und qualmte immer stärker.
Dann war Alles ruhig. Die Frau räumte die Lade ab und stellte das Geschirr in einen Winkel, um morgen mit Tagesanbruch wieder aufzustehen und es auszuwaschen. Sie hätte den Mann gern gefragt, ob er heute Morgen, als er aus war, irgend eine Beschäftigung oder Aussicht auf Erwerb gefunden, denn vorgestern schon war das letzte Stück Geld ausgegeben gewesen, und jetzt schien er doch wieder Etwas bekommen zu haben; aber sie wagte es nicht. Das Kind schlief gerade, und wenn er böse wurde und auffuhr, konnte er es wieder wecken und sie dann die halbe Nacht mit ihm im Zimmer herumlaufen, wie gestern und vorgestern.
Der Mann war auch ruhig. Das starke Getränk übte seine betäubende Wirkung. Er hatte die Pfeife ausgeraucht und hielt sie noch leer in der Hand, während er schon schwerfällig mit dem Kopfe zu nicken anfing. Ein paar Mal fuhr er wieder in die Höh und sah sich scheu um, dann sank sein Kopf zurück auf das Kissen; er begann zu schnarchen, und die Frau winkte den Kindern, vorsichtig zu Bett zu gehen, löschte das Licht aus und legte sich dann selber neben dem Kleinsten nieder, um dieser Nacht vielleicht ein paar Stunden Schlaf abzuringen.
[1]: Die Maniok-Wurzel ist eine der Kartoffel nicht unähnliche Knolle, welche mit Bohnen und Schweinefleisch das Haupt-Nahrungsmittel der Brasilianer bildet. Sie wächst, als Wurzel eines Strauches, aber nicht rund, sondern lang, nur unter der Erde und oft bis zu Armesdicke, mit einer dünnen, braunen Schale, wie die Kartoffel. Sonderbarer Weise ist sie giftig, wenigstens der Saft derselben, und sie muß deshalb zerrieben und ausgepreßt werden, wonach man das dadurch erhaltene grobe Mehl dörrt und zu den Speisen verwendet. Eine ganz ähnliche Wurzel wie die Maniok, und in Strauch und Knolle kaum von ihr zu unterscheiden, ist die besonders in Peru und Ecuador angepflanzte Yuka, welche aber kein Gift enthält und häufig geröstet gegessen wird.