Vor dem Zimmer stand ein Tausend Cigarren, das Oskar übernommen gehabt hatte, schon gestern Abend zu dem Geistlichen zu befördern und das Geld dafür mitzubringen, und Herr von Pulteleben ärgerte sich, daß der junge Bursche nicht allein zu gar Nichts zu bringen war, sondern sogar noch wie zum Hohn hier ausgestreckt auf dem Sopha lag.

»Ach, lieber Baron,« sagte die Gräfin, als er eintrat, und ohne seinen auf Oskar geschleuderten, eben nicht freundlichen Blick zu beachten — »wir haben hier den Tabak ausgesucht — sehen Sie, diese beiden Sorten — von der einen zwölf Aroben zu Einlage und drei Aroben von der andern zu Deckblatt — ich denke, das wird vorläufig genug sein, und wir können erst einmal mit der kleinen Quantität versuchen, wie sich die Cigarren machen werden. Von wem ist der Tabak, Jeremias?«

»Von Köhler's Chagra,« sagte der Angeredete, indem er sich von dem Tische ebenfalls eine Cigarre nahm und sie abbiß — »er hat aber gesagt, er gäb' ihn für den Preis nicht anders, als um baar Geld lacht — die landesübliche Münzsorte.«

»Ich denke, daß ihm sein Geld bei uns sicher ist,« sagte die Frau Gräfin, ärgerlich den Kopf zurückwerfend.

»Kann wohl sein,« meinte Jeremias, die abgebissene Spitze in die Ecke spuckend — »er denkt's aber nicht, und ist dumm genug, das Geld lieber in der eigenen Tasche wie bei fremden Leuten zu haben — mit Erlaubniß — damit ging er an das Feuerzeug und wollte sich ohne Weiteres seine Cigarre anzünden; die Frau Gräfin schien aber nicht gesonnen, ihm alle Freiheiten zu gestatten.

»Sie wissen doch, Jeremias,« sagte sie streng, »daß ich Niemandem gestatte, in meinem Zimmer zu rauchen — meinem Sohne ausgenommen,« fuhr sie fort, als sie bemerkte, wie Jeremias einen halb lächelnden Blick nach Oskar hinüber warf — »ich dulde keine Unverschämtheit.«

»Reden wir nicht weiter davon,« sagte Jeremias, indem er die Cigarre in die Tasche schob und mit dem Fuße den neben ihm liegenden Haufen Blättertabak etwas lockerte — »Sie können wahrscheinlich den Tabaksgeruch nicht vertragen. Soll ich dem Köhler das Geld gleich mit hinauf nehmen? denn er wollte sofort Antwort haben, weil jetzt gerade Gelegenheit ist, den Tabak nach Rio Grande zu schicken.«

»Kommen Sie nachher wieder herauf,« sagte Herr von Pulteleben, die Antwort umgehend — »ich habe augenblicklich mit der Frau Gräfin noch zu reden.«

»Hm,« sagte Jeremias, aus einer etwas engen Uhrtasche eine riesige, beinahe kugelrunde Taschenuhr herauszwängend und den silbernen Deckel derselben öffnend — »jetzt ist's in sechs Minuten zehn; um halb elf muß ich spätestens fort, wenn ich zu Mittag wieder da sein will. Wäre mir lieb, wenn ich bei der Gelegenheit auch gleich meinen rückständigen Lohn bekommen könnte, um meine eigenen Rechnungen zu bezahlen« — und mit den Worten schlenderte er langsam zur Thür hinaus.

»Der Bursche wird mit jedem Tage unverschämter!« sagte die Gräfin, als er das Zimmer kaum verlassen hatte — »und wenn Du seine Übergriffe duldest, Oskar, so habe ich nicht Lust, dem noch länger ruhig zuzusehen. Entweder er muß sich seiner untergeordneten Stellung fügen, oder das Haus verlassen.«