»Und wo willst Du einen Andern herbekommen?« sagte Oskar, ein Bein über das andere legend.
»Mein lieber Oskar,« fiel hier Herr von Pulteleben ein, »es ist nicht allein Jeremias, der sich ändern muß, wir werden Alle unsern Beruf ein wenig mehr in's Auge fassen müssen, wenn wir es wirklich zu Etwas bringen wollen.«
»Puh,« sagte Oskar, den Dampf zu gleicher Zeit ausblasend — »wollen Sie einmal wieder Moral lesen? Verderben Sie uns den schönen Tag nicht.«
»Moral gar nicht,« sagte Herr von Pulteleben piquirt — »aber ein klein Wenig müssen Sie doch auch mit zufassen, wenn nicht Alles rückwärts gehen soll. Die Cigarren zum Beispiel, die Sie schon gestern Abend an den Pfarrer Beckstein besorgen und das Geld dafür eincassiren wollten, stehen noch immer draußen, und wenn es auch nur zwanzig Milreis sind, so brauchen wir sie doch, um die laufenden Ausgaben zu decken.«
»Aber weshalb, zum Henker, schicken Sie da nicht den Jeremias?« — rief Oskar mit gerunzelter Stirn — »glauben Sie, daß ich Ihren Laufburschen machen soll?«
»Mein lieber Baron,« sagte die Frau Gräfin, »Oskar hat da wirklich Recht. Ich sehe auch nicht ein, weshalb das Jeremias nicht eben so gut besorgen kann.«
»Aber Jeremias,« meinte Herr von Pulteleben, »kann die wenigen Stunden, die er überhaupt hier ist, viel nützlicher beschäftigt werden, und Oskar hat auf der Gottes Welt Nichts zu thun….«
»Als Ihnen aufzuwarten, nicht wahr?« rief der junge Bursche, ärgerlich vom Sopha aufspringend — »es wird doch wahrhaftig alle Tage besser,« und das Zimmer verlassend, schlug er die Thür hinter sich zu, daß die Scheiben klirrten.
Herr von Pulteleben blieb mit der Frau Gräfin allein zurück, und zwar in der peinlichsten Verlegenheit, denn wenn er sich auch in seinem vollen Recht wußte und nicht das geringste Unbillige verlangt hatte, fühlte er doch, daß die Frau Gräfin selber einen andern Standpunkt einnahm, und mochte um Alles in der Welt ihr nicht feindlich entgegen treten. War sie nicht Helenens Mutter und mußte er nicht schon Helenens wegen in allen solchen, doch eigentlich Nichts bedeutenden Kleinigkeiten nachgeben? Und doch hatte er gerade heute Morgen mit der Frau Gräfin über ihre beiderseitige, sich schwieriger gestaltende Situation sprechen wollen, wenn die Frau Gräfin nur gerade nicht in diesem Augenblick so entsetzlich stolz und vornehm ausgesehen hätte.
Ob diese etwas Ähnliches vermuthete? Dann war sie jedenfalls augenblicklich im Vortheile, und nicht die Frau, einen solchen unbenutzt zu lassen.