»Lieber Gott,« sagte die Dame achselzuckend, »das wissen Sie ja selber, daß man in jeder Sache erst einmal Lehrgeld bezahlen muß. Ich glaubte einen ganz ausgezeichneten Kauf zu machen, glaubte mit einem ehrlichen Manne zu thun zu haben, und wurde auf das Schändlichste betrogen. Der nächste Tabak war dagegen vortrefflich, und dieser Herr Buttlich hat unsere Kundschaft für immer verloren.«
»Der Bäckermeister — wie heißt er gleich« — fuhr Herr von Pulteleben seufzend fort — »hat ebenfalls dreitausend Cigarren nicht bezahlt, weil er es von der Miethe abziehen will.«
»Das ist so gut wie baar Geld,« lächelte die Gräfin — »denn wir müßten es ihm sonst ja wieder herauszahlen.«
»Und der Kaufmann oben an der Ecke, von woher Sie Ihren Bedarf gezogen haben —«
»Aber, bester Freund,« sagte die Gräfin gereizt, »das sind ja lauter Gegenrechnungen, bei denen wir nur gewinnen, daß wir einen solchen Betrag in unserem Fabrikat bezahlen können. Werfen Sie mir vor, daß wir leben?«
»Ich? Aber ich bitte Sie, Frau Gräfin!« rief Herr von Pulteleben bestürzt — »ich erwähne diese einzelnen Posten ja nur, um Ihnen zu beweisen, daß wir schon eine ziemliche Quantität von Cigarren verarbeitet, durch ungünstige Umstände aber kein baares Geld dafür einbekommen haben. Mein an sich eben nicht übergroßes Capital schmilzt dabei mehr und mehr zusammen, und ich hielt es nur für meine Pflicht, Sie von dem Umstande in Kenntniß zu setzen, damit wir nicht plötzlich einmal in — in Verlegenheit geriethen. Ein Geschäftsmann sollte doch eigentlich auf alle Zufälligkeiten gefaßt sein.«
»Sie sind zu ängstlich,« lächelte die Gräfin, welche sich noch nie im Leben Sorgen gemacht hatte, wenn sie nur die unmittelbare Gegenwart gesichert wußte — »aber ich billige vollkommen Ihre Vorsorge etwa möglicher Eventualitäten. Wir wollen auch mit aller Umsicht zu Werke gehen, und daß wir es dabei nicht an Fleiß fehlen lassen,« setzte sie mit einem Blick auf ihren heute freilich noch nicht berührten Cigarrentisch hinzu, »werden Sie mir ebenfalls bezeugen können.«
»O, gewiß — deß bin ich sicher überzeugt,« stammelte Herr von Pulteleben, von der Güte der Frau Gräfin so entzückt, daß plötzlich die Idee in ihm aufstieg, den Moment zu benutzen und einen kühnen Schritt zu seinem künftigen Lebensglücke zu wagen — »Sie kennen mich ja aber jetzt auch, Frau Gräfin — Sie wissen, daß ich mit allem Eifer…«
»Ich weiß es,« sagte die Dame freundlich, »und die nächste Zeit wird Ihnen den Beweis bringen, wie rasch wir das jetzt vielleicht etwa Versäumte wieder eingeholt haben. Der neue Tabak ist vortrefflich und wir werden brillante Geschäfte damit machen. — Aber da fällt mir gerade ein, daß Jeremias unten auf den Bestellzettel wartet — ich habe ihn hier schon geschrieben — bitte, unterzeichnen Sie ihn nur noch — als unser Geschäftsführer,« setzte sie lächelnd hinzu — »das Geld können Sie ja dann vielleicht dem Jeremias gleich mitgeben — der Betrag ist hier ausgefüllt. — Der alberne Bauer hat es sich nun einmal in den Kopf gesetzt, nur gegen baares Geld zu verkaufen.«
»Mit Vergnügen,« stotterte Herr von Pulteleben, der in diesem Augenblicke wirklich gar nicht mehr an den Tabak dachte — »aber — werden Sie mir auch nicht zürnen, wenn ich« — die Gräfin sah ihn erwartungsvoll an, und Herr von Pulteleben, welcher über und über roth geworden war, fuhr schüchtern fort: »wenn ich mit einer — mit einer recht großen Bitte vor Ihre Thür käme?«