»Ja, das wäre freilich gut,« sagte der Schulmeister, der sich völlig außer seiner Sphäre fand, sobald sich irgend etwas auf practisches Leben erstreckte, »aber den Kaffee habt Ihr da umsonst, und der Zucker wächst ebenfalls in Brasilien; ja, in der heißen Zone kommen sogar Milch- und Butterbäume vor, und immer Sommer, – nie einen Ofen heizen und die Finger erfrieren – und Hüte könnt Ihr Euch selber aus Palmblätter flechten, und die Baumwolle wächst dort auch.«

»Ja,« sagte Behrens und sah still vor sich nieder, »das ist wohl Alles recht gut, aber ob das Land auch wohl so gesund ist, daß mir Frau und Kinder nicht krank werden. Es muß dort schmählich heiß sein.«

»Das können wir gleich sehen,« sagte Peters, stand auf und nahm eines seiner alten Bücher vom Regal herunter, »wartet einmal, Brasilien – Brake – Brandis – Brasilien, Seite 470 – da haben wir die ganze Geschichte: Dieser einzige monarchische Staat, – nein, das ist's nicht: hier kommts! »In Hinsicht der äußeren Bodenbeschaffenheit bestehen vielleicht zwei Drittheile aus Hoch- und Gebirgsland,« – seht Ihr wohl. Halt, hier steht es: »Das Clima ist der vielen Gebirge und Wälder wegen milder, als man es bei der Lage des Landes, welches mit seiner Hauptmasse zwischen dem Äquator und dem südlichen Wendekreise liegt, erwarten sollte.« Seht Ihr wohl? – »In Rio Janeiro, ungefähr unter dem Wendekreise des Steinbocks (nämlich unter 22° 56' S.Br.) wechselt die Hitze zwischen 16 und 30° Reaumur« – und so heiß wird es bei uns hier manchmal auch, denn im letzten Sommer hatten wir ein paar Mal 29° im Schatten. – »An der Küste tragen überhaupt die täglichen Seewinde viel zur Minderung der Hitze bei. Am heißesten sind die Ebenen im nördlichen Theil des Landes,« – aber dahin braucht man ja auch gar nicht zu gehen; und was bauen sie da nicht Alles, hört einmal zu, Behrens: »Fernambuk oder Brasilienholz, Campeche oder Mahagoniholz, ferner Palmen, Tulpen-Rosenholz, Kampher-, Copal- und andere Bäume, sodann Zucker, Kaffee, Baumwolle, Tabak, Indigo, Cacao, Vanille, Reis, Mais, Waizen, Gerste, Maniok, Melonen, Yams, europäische Südfrüchte, Ananas, Gewürzpfeffer,« – das Wasser läuft Einem ordentlich im Munde zusammen. Und dann hier die Beschreibung von dem Gold und den Diamanten, die dort gefunden werden. Diamanten haben sie dort, von denen ein einziger so viel werth ist, wie hier ein ganzes Königreich.«

»Also meinen Sie, ich soll hingehen, Schulmeister?«

»Ich wollte ich könnte mit,« seufzte dieser, »den Augenblick schnürte ich meinen Bündel, packte meine paar Bücher zusammen und setzte mich auf ein Schiff, aber – der Knüppel ist an den Hund gebunden.«

»Peters, Du schämst Dich doch gar nicht,« sagte seine Frau.

»Ach, Alte, so war es ja nicht gemeint,« seufzte ihr Mann, »aber mein verwünschtes Rückgrat.«

»Und daß gar nichts davon in dem Contract steht, wie es einmal werden soll, wenn ich das Geld abverdient habe,« sagte Behrens, dessen Gedanken nur allein auf diesem einen Punkt hafteten.

»Darüber macht Euch doch keine Sorge,« antwortete Peters, »schon das ist ein Beweis, daß es dort viel zu verdienen giebt, daß man Euch so viel hundert Thaler vorschießt, nur um Arbeiter hin zu bekommen. Hier könntet Ihr hundert Jahre arbeiten ehe Ihr's fertig brächtet.«

»Ja, das ist wahr,« nickte Behrens, »zu verdienen muß es da geben, und ich verstehe nur nicht was das heißen soll, – hier, da unten Schulmeister; lest doch den Satz noch einmal.«