»Was fragen wir nach Gut und Geld!
Wir wandern fröhlich in die Welt.
Brasi–lien ist unsre Seligkeit.
Halli, Hallo! Brasilien ist nicht weit von hier.
Halli, Hallo! Brasilien ist nicht weit!«
sangen die jungen Burschen jubelnd dem nahen Land entgegen, und selbst von den Alten stimmten jetzt Viele in das Lied mit ein.
Brasilien war jetzt allerdings nicht weit; schon konnte man einzelne, sich bewegende Gestalten am Land erkennen, und jetzt – ein merkwürdiges Geräusch dröhnte durch das Schiff, wie das Rasseln einer schweren Kette. Es war der auslaufende Anker und gleich darauf schwang das wackere Fahrzeug herum, und die Reise war beendet.
Jetzt allerdings entstand eine scheinbare Verwirrung an Bord, denn Alles lief durcheinander und die Auswanderer sahen sich schon bestürzt an, weil sie glaubten, es könne irgend ein Unglück geschehen sein. Aber jeder der Matrosen wußte was er zu thun hatte, und während die Jüngeren an den Wanten hinaufliefen, um die Segel fest zu machen, waren Einige mit dem Anker beschäftigt, indeß Andere des Capitäns Jölle in See herabließen. Aber dieser selber ging noch nicht an Land, denn er mußte vorher den Besuch der Hafenpolizei abwarten, die auch nicht lange ausblieb.
Das Schiff, das man bald als ein Fahrzeug mit Emigranten erkannte, war schon mit Tagesanbruch beobachtet worden, und kaum schoß der Anker in die Tiefe, als auch ein Boot vom Lande abstieß, das ihm entgegenruderte.
Über den hintern Theil desselben war ein Sonnenzelt gespannt, daß man die darunter Sitzenden nicht erkennen konnte, vorn aber ruderten vier, bis zum Gürtel nackte Neger, die schwarzen Wollköpfe mit kleinen Strohhüten bedeckt, und zogen natürlich die Aufmerksamkeit der Deutschen vor allem Anderen auf sich. Waren es doch die ersten Schwarzen, die sie zu sehen bekamen.
Jetzt legten sie an, – die Fallreepstreppe war schon vorher hinunter gelassen, und nach einer vorherigen Anfrage, ob Alles wohl an Bord sei, kletterten die Brasilianer daran in die Höhe.
Das waren wirklich ächte, – wie braun und sonnverbrannt sie aussahen, und was für breiträndige Strohhüte und luftige, dünne, seidene, helle Röcke und weite Hosen sie trugen – und der Eine von ihnen – die Frauen kicherten untereinander – ging sogar in gestickten Pantoffeln und hatte doch ein großes Loch hinten im Strumpf.
Der Capitän verstand kein portugiesisch, aber der Herr, den er in seiner Cajüte mitführte, – der sogenannte Cargadeur des Schiffes oder Supercargo, wie er auch genannt wird, – und dieser unterhielt sich eine Weile mit den Brasilianern, und jedenfalls sprachen sie hauptsächlich über ihre »lebendige Fracht«, die Auswanderer. Die Neger kamen indessen nicht mit an Deck herauf, sondern blieben unten im Boot auf ihren Plätzen sitzen, und als die Deutschen neugierig nach ihnen über die Schanzkleidung hinabsahen, lachten sie ihnen zu und schnitten ihnen so furchtbare Gesichter, daß sie die Frauen und Kinder fürchten machten. Sie kokettirten ordentlich mit ihrer scheußlichen Häßlichkeit.
Das dauerte aber nicht lange. Der Brasilianer mußte doch wohl die ihm vorgelegten Papiere alle in Ordnung befunden haben, denn er trank ein Glas Wein mit dem Capitän und Supercargo, da der Cajütendiener rasch Flaschen und Gläser herbeigeschafft hatte, und stieg dann wieder in sein Boot hinab, wo die Neger jetzt so ernsthaft und ehrerbietig saßen, als ob sie nie ein Wasser getrübt, oder ein Gesicht geschnitten hätten, und fort schoß das schlanke Fahrzeug gegen die Stadt zu. Aber ehe ihm der Capitän in seiner Jölle folgen konnte, wurde es von zwei anderen abgelöst, die, ebenfalls von Negern gerudert, herbeiglitten.