Eine volle halbe Stunde mochten sie so rathlos und voll in der glühenden Sonne dagestanden haben, als ihnen endlich Erlösung wurde.

»Nun, Ihr Leute,« rief der Supercargo ihres Schiffes, der sich durch die Neugierigen zu ihnen drängte, »weshalb geht Ihr denn nicht zu Eurer Wohnung? Wollt Ihr hier am Strand bleiben?«

»Ja, aber wir wissen ja gar nicht wohin,« sagte Behrens, »es hat uns noch kein Mensch ein Wort gesagt.«

»Du lieber Gott, was man nicht selber thut, wird Einem auch nie besorgt,« rief der Mann ärgerlich, »und Ihr seid auch so unbeholfen dabei, wie nur möglich. Na, kommt, ich will Euch hinbringen, aber macht ein wenig rasch, denn ich habe nicht lange Zeit.«

Die Deutschen griffen ihr Gepäck, die Frauen ihre Kinder auf, und manche hatten schwer genug daran zu tragen, aber der Supercargo schritt so rasch vor ihnen her, daß sie ihm in der heißen Sonne kaum zu folgen vermochten. Er war ungeduldig geworden und schien die Zeit kaum erwarten zu können, wo er seine ihm lästige Begleitung los wurde.

Sechstes Kapitel.
In Brasilien.

Mit dem Supercargo an der Spitze, der außerdem der portugiesischen Sprache mächtig war, hatte sich die Menge dem Zug geöffnet, und die deutschen Auswanderer passirten zunächst eine Art offenen Marktplatzes, unmittelbar am Meeresstrand, auf dem alle Schätze tropischen Fruchtreichthums aufgespeichert lagen. Ach, was für verlangende Blicke warfen die armen seemüden Wanderer, die sich bis dahin von Salzfleisch und trockenen Erbsen genährt, nach den goldglänzenden Orangen und Ananas und all den sonstigen fremden Herrlichkeiten hinüber; aber ihr Führer ließ ihnen keine Zeit, um auch nur mehr als einen flüchtigen Blick darauf zu werfen. Fort ging es – hindurch, mitten in die Stadt hinein, und eine heiße, vollständig schattenlose Straße entlang, die sich wie endlos vor ihnen ausdehnte, bis ein paar der Frauen in ihren dicken Kleidern ermattet niedersanken.

Jetzt erst wurde der langbeinige hagere Bursche vorn darauf aufmerksam gemacht, daß sie ihm in diesem Tempo nicht mehr folgen könnten, und mürrisch und verdrießlich fügte er sich endlich der Nothwendigkeit, wenigstens langsamer zu gehen, – von einem Aufenthalt wollte er aber nichts wissen.

Doch auch dieser Weg nahm mit der Straße ein Ende. Gleich draußen, wo wieder freundliche Gärten lagen, erreichten sie eine Gruppe schattiger Fruchtbäume und Palmen, und dort hindurch brachte sie ihr Führer zu zwei allein stehenden, halb verfallenen Häusern, vor denen sie schon von Weitem ihre Kisten und Koffer bunt und wild aufgeschichtet fanden.

»Und was nun? – Hier sollten sie die Nacht zubringen,« sagte ihnen ihr Führer, »da weiter keine Räumlichkeit für sie hergerichtet sei; morgen oder übermorgen würden sie dann spätestens zu dem Ort ihrer Bestimmung abgeführt werden.«