»Wo das sei? – Wo sie bleiben, wohin sie geschafft werden sollten?« alle Fragen stürmten auf ihn ein. Der Mann zuckte nur die Achseln. »Darüber hätte der hiesige Agent zu bestimmen,« wie er sagte, »und er selber weiter nichts zu thun, als sie hierher zu schaffen. Sie müßten Geduld haben und kämen noch zeitig genug an ihre Arbeit.«

Damit ging er fort und ließ sie allein, um sich dort einzurichten, so gut es eben gehen wollte.

Hatten sie übrigens keine Zeit bekommen, sich am Lande Früchte einzukaufen, so folgten ihnen die Verkäufer derselben rasch genug hierher, denn die Leute wußten aus Erfahrung, wie sich Reisende nach einem solchen Labsal sehnen. Es dauerte nicht lange, so waren sie von Negern und Negerfrauen ordentlich umschwärmt, die ihnen die herrlichen Früchte des Landes zum Verkauf anboten, und die einzige Schwierigkeit blieb nur die, daß sie kein hiesiges Geld besaßen, um dafür zu zahlen.

Die Neger betrachteten kopfschüttelnd die ihnen gebotenen Münzen, und nur für Silber ließen sich Einzelne, die wußten, daß sie es an Bord des Schiffes wieder einwechseln konnten, herbei, ihnen Apfelsinen und einige andere Früchte abzulassen. Und wie gierig fielen die armen Menschen über dies einzige Labsal her, das ihnen geboten wurde, während sie das Beste, die unreifen Cocosnüsse, mit denen sie ihren Durst hätten löschen können, zurückwiesen, weil sie mit den großen, harten, grünen Kugeln nichts anzufangen wußten.

Behrens indessen, der auch ein deutsches Zehngroschenstück daran gewandt hatte, um seinen Kindern und seiner Frau ein paar von den Apfelsinen zu kaufen, und sich dabei wunderte, wie theuer er sie bezahlen mußte, da ihm doch die Leute daheim gesagt, daß man sie hier überall im Walde nur auflesen könne, ging indessen daran mit seinem Jungen und der ältesten Tochter, die Kisten in das Haus zu schaffen und sich einen Schlafplatz herzurichten. Er fürchtete allerdings nichts von dem Wetter, aber er traute den fremden schwarzen Menschen nicht und wollte die Sachen gern noch vor Dunkelwerden in Sicherheit schaffen.

Einige folgten seinem Beispiel, Andere aber, zu lässig, oder auch zu erschöpft, ließen ihr Eigenthum draußen stehen, und erklärten, die Nacht im Freien schlafen zu wollen, denn in den Häusern sei es doch zu dumpf und schwül.

Aber wie rasch das dunkelte; kaum war die Sonne hinter den Palmenwipfeln verschwunden, als sich auch schon die Nacht auf die Erde legte, und indessen hatte Niemand nach ihnen hier draußen gesehen oder ihnen zu essen und zu trinken gebracht.

Allerdings fanden ein paar junge Burschen, die in der Nachbarschaft umhergestreift waren, einen Bach und konnten von dorther wenigstens Trinkwasser holen, aber weiter bekamen sie nichts. Sie mußten rein vergessen sein, und nur der Schiffszwieback, den sich noch einige vom Bord mitgenommen, stillte ihnen heute Abend den Hunger.

Eine wahre Unzahl von Mücken gab es ebenfalls, – sie kannten den spanischen Namen »Mosquitos« noch nicht dafür, – die sie mit der Dämmerung umschwärmten und empfindlich stachen. Besonders die Kinder hatten darunter zu leiden, schliefen unruhig und manche schrieen die halbe Nacht hindurch. Aber es sollte noch besser kommen.

Mitternacht mochte vorüber sein, als sich der Himmel plötzlich umzog, und gegen ein Uhr zuckte der erste grelle Blitz nieder, dem ein Kanonenschlag ähnlicher Donner folgte. Alle fuhren erschreckt in die Höhe, – da rasselte es auf das nur an wenigen Stellen vollkommen dichte Blätterdach nieder; es regnete nicht, es schüttete im wahren Sinn des Wortes, und eine entsetzliche Verwirrung entstand jetzt, als die im Freien Lagernden nicht allein in das Haus und zwischen die Schläfer stürmten, sondern auch noch ihre Kisten und Kasten dort im Trocknen unterbringen wollten. Die Frauen jammerten dazu, die Männer fluchten, die Kinder schrieen und ein wahrer Heidenlärm entstand.