Auch die in den Häusern Befindlichen waren nicht immer besser daran, denn Einige von ihnen fanden sich mit ihren Betten unter einer ordentlichen Dachtraufe und sahen sich dabei nicht einmal im Stande, nach rechts oder links zu weichen.
Zu viel Unheil auf einmal bringt aber oft bei den davon Betroffenen die entgegengesetzte Wirkung hervor, und das junge Volk unter den Auswanderern, das sich auch weit eher unterbringen konnte, und weder mit Gepäck noch Kindern behelligt war, fiel plötzlich, mitten in den allgemeinen Lärm, wieder in sein altes Lied »Halli, Hallo! Brasilien ist nicht weit von hier!« ein, was den Übrigen auch noch die letzte Möglichkeit raubte, an Schlaf zu denken.
So verging ihnen die erste Nacht und der nächste Morgen mit Tagesanbruch aufhörte und die heiße Sonne ihnen verstattete, die über Nacht etwa naßgewordenen Betten und Kleider leicht und rasch wieder zu trocknen.
Jetzt kam auch der Supercargo ihres Schiffes und entschuldigte sich, daß ihnen gestern Abend keine Nahrung gesandt worden. Er habe den Auftrag gegeben, ehe er an Bord zurück ging, aber er sei mißverstanden worden. Es würde nicht wieder geschehen und jeder Einzelne von jetzt an Morgens seinen Kaffee und Schiffszwieback, und Mittags und Abends zu essen bekommen.
Die Leute beklagten sich allerdings über den schlechten Zustand der Dächer, und frugen, wie lange sie noch hier liegen bleiben sollten. Er zuckte die Achseln und behauptete, es nicht zu wissen, da noch zwei Herren aus dem inneren Land erwartet würden, die Arbeiter »bestellt« hätten. Was die Dächer beträfe, so ließen sich die ja leicht wieder in Stand setzen; es gäbe breite Blätter dort genug, und die Leute hätten ja auch nichts weiter zu thun.
Damit ging er, und ihre Nahrungsmittel bekamen sie von der Zeit an in der That regelmäßig, aber auch eine Kost, an die sie nicht gewöhnt waren, und in die sie sich nicht so bald hineinfinden konnten: frisches oder gesalzenes Schweinefleisch, Bohnen und Maniokmehl. Mit dem Mehl wußten sie anfangs gar nicht umzugehen, und einige versuchten sogar, Brod davon zu backen; aber es war zu grob und schmeckte nicht. Übrigens wurden ihnen einige Fruchtbäume in der Nachbarschaft – die jedenfalls zu den leerstehenden Gebäuden gehörten, angewiesen, wo sie sich unentgeltlich holen konnten, was sie wollten, und auch fleißig benutzten. – Aber die Zeit verging ihnen entsetzlich langsam, denn Tag und Nacht verstrich, ohne daß eine Änderung in ihrer Lage eingetreten wäre. Dabei regnete es fast täglich und oft die ganze Nacht hindurch, und wenn sie sich auch die größte Mühe gaben, die Dächer dicht zu bekommen, so gelang ihnen das nur sehr unvollständig.
Ein paar Frauen erkrankten noch außerdem, und ein brasilianischer Arzt kam zu ihnen, den sie nicht verstehen konnten. Er gab ihnen aber trotzdem Medicin, denn er wußte vielleicht schon, welchen Krankheiten frisch eingetroffene Europäer am schnellsten ausgesetzt waren, und nahm die Sache außerordentlich leicht.
Endlich, am elften Tage, nachdem das Schiff, das sie hierher gebracht, seine ganze Fracht gelöscht und neue Ladung dafür an Bord genommen hatte, erfreute sie der Supercargo, der sie aber in der Zeit nur sehr selten besuchte, mit der Meldung, daß die erwarteten Herren eingetroffen wären und sie wahrscheinlich schon morgen, spätestens übermorgen, ihre Reise in das innere Land antreten könnten. Sie sollten sich auf morgen früh nur Alle sauber anziehen und bereit halten, da die Herren hier herauskommen würden, um sie zu besuchen und selber mit ihnen zu sprechen.
Behrens frug ihn jetzt, wie es denn eigentlich mit ihren Contracten wäre, die sie noch immer nicht wieder bekommen hätten, obgleich ihnen das an Bord versprochen wäre.
»Und was wollt Ihr damit?« frug der Supercargo lakonisch, »das sind nur Contracte, durch die Ihr Euch Eurem zukünftigen Herrn gegenüber verbindlich macht, ihm treu zu dienen, bis Ihr das vorgeschossene Geld abbezahlt habt, weiter nichts, – sie können Euch gar Nichts nützen.«