Behrens schüttelte erstaunt mit dem Kopf, denn er begriff das Alles nicht, und gar nichts stimmte außerdem mit Allem, was ihnen Herr Kollboeker – der doch Alles gerade so genau wissen wollte, gesagt. Da sich der Supercargo aber schon wieder zum Gehen wandte und ihm eine Frage besonders noch schwer auf der Seele lag, so faßte er sich ein Herz und sagte:
»Ach bitte, lieber Herr; möchten Sie mir wohl über eine Sache Auskunft geben?«
»Und die wäre?« frug der Mann, indem er stehen blieb und den Kopf nach Behrens zurückdrehte.
»Wie weit haben wir denn von hier nach Blumenau?«
»Nach Blumenau?« sagte der Supercargo erstaunt – »nach welchem Blumenau?«
»Nun, nach der deutschen Colonie, wo mein Bruder ist – kann man da von hier aus zu Land bequem hinkommen?«
»Ihr seid wohl nicht recht bei Trost,« lachte der Supercargo »– durch den Wald? Na, kommt nur erst einmal hinein. Blumenau liegt weit von hier. Da müßt Ihr erst wieder zu Schiff gehen und nach Rio Janeiro fahren und von da wieder ein anderes Schiff nehmen, wenn eins da ist, und das kostet viel Geld.«
»Aber du mein Gott!« rief der arme Mann erschreckt aus, »dann sind ja das lauter Lügen, was uns der Herr Kollboeker daheim gesagt hat.«
Der Supercargo hörte aber schon gar nicht mehr auf ihn; er hatte andere Dinge zu thun, als sich mit dem Auswanderer in ein langes Gespräch einzulassen, und schritt langsam nach der Stadt zurück. Behrens aber – das Herz so entsetzlich schwer und mit einer noch unbegriffenen Angst, die ihn dabei erfaßte, setzte sich auf einen dicht dabei liegenden Baumstamm, stützte die Ellbogen auf die Knie, das Gesicht in die offenen Hände und zum ersten Mal kam ihm eine volle und wie furchtbare Ahnung, daß sie wirklich verrathen und verkauft seien und jetzt ihr Schicksal zu ertragen hätten.
Den anderen Auswanderern war ebenfalls nicht gerade leicht zu Sinn, wenn sie auch noch nicht vollkommen ihre Lage begriffen; es schien ihnen nur so, als ob hier nicht Alles in Ordnung wäre. Hatte man ihnen denn nicht in Deutschland gesagt, sie brauchten in Brasilien so nothwendig Arbeiter, und man würde sie dort mit offenen Armen empfangen. Jetzt lagen sie hier schon elf Tage müßig und verzehrten jedenfalls ihr eigenes Geld, da man ihnen das gewiß anrechnen würde, und kein Mensch hatte sich um sie bekümmert oder ihnen auch nur die Hand zum Willkommen geboten. Waren denn das Alles nur lauter Lügen gewesen?