Der Supercargo wandte sich ab und ging zu den Brasilianern zurück, die indessen auch etwas näher getreten waren, um die Auswanderer zu mustern. Er unterhielt sich auch mit dem Deutschen, aber nur in der fremden Sprache, so daß die Leute nicht verstehen konnten, was er zu ihm sagte.

Indessen ordneten sich die Auswanderer, so gut es eben gehen wollte, auf dem Plan vor den Häusern, – Familien immer beisammen und nur die Frauen und Mädchen hielten sich noch schüchtern hinter den Männern und wollten nicht recht heraustreten. Es war ihnen ein gar peinliches Gefühl, hier so von all den fremden Leuten angestarrt zu werden. Aber das half ihnen nichts; so wie sich der Supercargo ihnen wieder zudrehte, zog er sie eigenhändig vor.

»Alle in eine Reihe, Leute, – das Hinterkriechen hilft Euch nichts; wir müssen sehen wen wir haben und ob Niemand fehlt. Erschwert uns die Sache nicht, denn je williger Ihr Euch zeigt, desto rascher kommen wir damit zu Ende.«

»Und nun, Senhores,« wandte er sich an die Brasilianer, indem er sein Taschenbuch und einen Bleistift herausnahm, »bitte ich Sie, Acht zu haben. Ich werde vorher die einzelnen Personen abrufen, um zu sehen ob Niemand fehlt, und dann ersuche ich Sie, die Gebote auf zusammengehörende Familien zu machen. – Einzelne aus Familien heraus können nicht abgegeben werden, Sie würden auch selber nur Unruhe und Last von ihnen haben, – es müßte denn sein, daß sie sich freiwillig dazu verständen. Bleibt die Familie beisammen, so ist sie leicht zufrieden gestellt und arbeitet dann auch mehr und williger: wird sie getrennt, so bleibt sie mürrisch und verdrossen und bekommt eine deutsche Krankheit, – das sogenannte Heimweh. Also erlauben Sie, daß ich erst die Namen abrufe.«

»Ihr Leute,« wandte sich der Supercargo dann wieder in deutscher Sprache an die Auswanderer, »ich werde jetzt einzeln Eure Namen ablesen, wie Ihr in der Schiffsliste eingetragen waret, und Jeder von Euch, wenn er seinen Namen nennen hört, antwortet mir mit lauter Stimme: hier! Habt Ihr mich verstanden? – Gut,« fuhr er fort, als ein halblautes Murmeln durch die Reihen lief, und die Ablesung begann jetzt in der gewöhnlichen Art. Nur zwei fehlten, die drinnen in der Hütte wirklich fieberkrank lagen und nicht herauskommen konnten.

Die Brasilianer waren indessen an der Reihe auf und ab gegangen, um sich die Einzelnen zu betrachten, und der lange Herr in dem schwarzen Rock sagte endlich, als der Supercargo fertig war, zu diesem: »Die Leute sehen sonst gut aus, aber verwünscht viel Kinder haben sie mitgebracht. Das wimmelt ja ordentlich von ihnen.«

»Mein lieber Herr,« erwiderte der Angeredete lächelnd, »Sie wissen recht gut, daß das kein Schaden für Sie ist, denn erstlich können sie dieselben, bis fast zu dem Kleinsten herunter, zum Baumwollpflücken und Kaffeeauflesen verwenden, und dann halten die größeren Unkosten, die Sie für Beköstigung haben, – und die nicht einmal so bedeutend sind – auch die Eltern so viel länger in Ihrem Dienst.«

Der lange Herr nickte leise und wie überlegend mit dem Kopf und schritt langsam weiter.

Der Supercargo indessen betrieb die Sache ziemlich geschäftsmäßig, und schien nicht gesonnen, viel Zeit damit zu versäumen. Es war auch schon ziemlich spät und damit heiß geworden, und je eher die Herren in ihre kühlen Häuser kamen, desto besser. Nach der Liste rief er jetzt die oben anstehenden Namen aus, – es war eine Familie aus Hessen, Mann, Frau und zwei erwachsene Söhne, ein paar kräftige, feste Burschen, wenn auch jetzt etwas hohlwangig und bleich, und was er in portugiesischer Sprache verhandelte, kam den armen Leuten fast so vor, als ob er sie anpries, denn er zeigte oft auf sie und wandte sich dann wieder an die Brasilianer. Von diesen sprach jetzt Einer, dann der Andere; sie kamen auch heran und betrachteten sich die Vorgeschlagenen näher, und es konnte diesen zuletzt nicht mehr entgehen, daß sie hier ordentlich verauctionirt wurden.

»Hol mich Dieser und Jener,« rief da einer der Burschen wieder, ein etwas wüst aussehender Gesell, der auch auf dem Schiffe fortwährend Streit gehabt, »wenn wir hier nicht ordentlich ausgeboten werden wie sauer Bier. Na, wer mich kauft ist betrogen.«