Die Übrigen schwiegen erschrocken still, denn es war ihnen ein gar so unheimlicher Gedanke, daß sie hier nicht wie freie Menschen, sondern wie Sclaven oder Vieh ausgeboten und dem Meistbietenden zugeschlagen werden sollten, und daß das in der That der Fall war, darüber konnte keine Täuschung mehr stattfinden. Aber was wollten sie jetzt machen? – sich widersetzen? Wie konnten sie das, da sie der Sprache nicht einmal mächtig waren, und die Einzigen, mit denen sie sich hätten verständigen können, gerade zu ihren Gegnern gehörten.
»Oh, du lieber Gott,« seufzte Behrens' Frau, die sich erschöpft auf den Arm ihres Mannes stützte, »wenn wir das in Deutschland gewußt hätten, – lieber doch allen Jammer und alles Elend ertragen.«
»Laß gut sein, Mutter,« flüsterte ihr der Mann zu, »wir können nur für das ausgemiethet werden, was wir abzuverdienen haben, und dürfen nachher gehen, wohin wir wollen. Wenn ich nur den Schuft, den Herrn Kollboeker, hier hätte.«
Der Verkauf oder die Auction der Deutschen ging indessen ziemlich rasch von Statten, da die Bietenden zahlreich zugeströmt waren, und selbst viele Bewohner der Hafenstadt Dienstboten zu nehmen wünschten, die sie hier unter so günstigen Bedingungen erhalten konnten. Familien konnte man freilich in der Stadt nicht gebrauchen, da man hier keine Verwendung für die Kinder hatte. – Die wurden sämmtlich den Facienderos des Inneren überlassen, und die Familie Behrens erstand denn auch ein Pflanzer, der allerdings erst lange an ihnen herummäkelte, aber zuletzt doch auf die gestellten Bedingungen einging. Der Supercargo kannte seinen Vortheil und ließ eben nicht nach.
Behrens' neuer Herr gefiel den Leuten nicht recht; er war nicht sehr groß, aber entsetzlich mager, mit einer vollkommen lederartigen Gesichtsfarbe, hatte auch um den Kopf, hinter den Ohren durch, ein schmales schwarzseidenes Tuch gebunden, da er, wie sehr viele Brasilianer, an Scropheln litt. Er sprach mit den Leuten gar nicht, richtete nicht einmal ein paar freundliche Worte an sie, die ihnen doch wohlgethan hätten, wenn sie auch die Sprache nicht verstanden. Als der Handel abgeschlossen war, winkte er einen großen, blatternarbigen Mulatten heran, dem er die verschiedenen Familienmitglieder bezeichnete, und wandte sich dann noch einmal an den Supercargo, der unfern davon bei einer anderen Gruppe stand. Dieser betrachtete sich den Mulatten und schien von dem gewordenen Auftrag nicht recht erbaut, konnte ihn aber auch vielleicht nicht gut abweisen und sagte, sich wieder gegen die Deutschen kehrend: »Also dies, meine Leute ist Euer neuer Herr, Senhor Almeira, wie er heißt, auf dessen Plantage Ihr jetzt – wahrscheinlich morgen früh – befördert werden sollt. Dieser aber, der Mulatte, ist sein Oberaufseher, dem Ihr, wenn der Herr nicht selber da ist, Eurem Contract nach, zu gehorchen habt.«
»Dem gelben Kerl?« rief die Frau erschreckt.
»Mancal,« sagte der Supercargo, »ist ein braver, ordentlicher Mensch, mit dem sich schon auskommen läßt (er hatte ihn heute zum ersten Mal in seinem Leben gesehen). Seid nur freundlich gegen ihn und thut hübsch, was er Euch sagt. Je fleißiger Ihr dabei seid, desto früher seid Ihr im Stande den Platz wieder zu verlassen, – wenn er Euch später nicht so gefallen sollte, daß Ihr ganz da bleiben wollt. Nachher aber macht Ihr Euren eigenen Contract.«
»Spricht er denn deutsch?« frug die Frau.
»Das nicht,« lachte der Supercargo, »aber das bischen Portugiesisch lernt Ihr bald; das ist eine sehr leichte Sprache.«
Der Mulatte sagte jetzt selber etwas zu dem Supercargo und dieser rief: »Ja, das ist nothwendig. Wo habt Ihr denn Euer Gepäck? Zeigt das doch einmal dem Mann, weil die Sachen ins Innere transportirt werden müssen.«