»Kommen wir denn weit ins Land hinein?«
»Nein, nicht weit, – nur ein paar Legoas. Dort wird's Euch schon gefallen.«
Sie zeigten jetzt ihr Gepäck, und der Mulatte, der bis dahin keine Miene verzogen hatte, lachte laut und hell auf, als er die drei großen, riesigen Kisten sah. Er hatte auch vielleicht Ursache dazu, denn er kannte die Wege und Beförderungsmittel des Landes und wußte recht gut, daß es unmöglich sein würde, solche Collis auf Maulthieren über die schmalen und steilen Bergpfade zu schaffen.
Den Deutschen wurde das jetzt gesagt, und der Supercargo, der den Blick umherwarf und überall ähnliche Kasten bemerkte, erledigte die Sache dadurch, daß er versprach, noch heute Abend ein paar Matrosen vom Schiff, von denen der eine sogar portugiesisch sprach, herüber zu senden, um das Gepäck in Ordnung bringen zu lassen. Senhor Almeira sollte dann auch einen von seinen Maulthiertreibern hersenden, und so würden sie Alles rasch in Ordnung bekommen.
Damit wandte er sich ab, denn seine Vermittlung wurde jetzt von allen Seiten in Anspruch genommen. Es herrschte überhaupt eine entsetzliche Verwirrung auf dem Plan, da die Deutschen durcheinander liefen und viele der Frauen zu weinen und zu jammern anfingen. Aber was konnte das jetzt helfen; die Sache war abgemacht, – überdies brannte die Sonne und die Herren eilten, um wieder in die Stadt zu kommen.
Nur den für die Stadt »gemietheten« Leuten – von denen man aber natürlich Keinen gefragt hatte, in welcher Beschäftigung er verwandt werden wolle – wurde aufgegeben, ihre Sachen zusammen zu packen, da sie noch heute Abend einziehen sollten. Den übrigen gab man Zeit bis morgen früh.
Siebentes Capitel.
Die Reise in's Innere.
Das war ein recht trauriger, schmerzlicher Tag für die armen Leute, die hier, im wahren Sinn des Worts »verrathen und verkauft«, in dem fremden Lande saßen und Niemanden in der weiten Welt hatten, bei dem sie sich Rath und Hülfe erbitten konnten.
Der Capitän des Schiffes? Wie durften sie sich an den wenden, den gingen sie weiter nichts an, als daß er sie hier herüber beförderte. Und hatte er je auf der ganzen langen Reise auch nur ein einziges freundliches Wort mit ihnen gesprochen? Nie. Er betrachtete sie als Fracht, und noch dazu als eine lästige Fracht, und würde nie daran gedacht haben, sich in ihre Angelegenheiten zu mischen oder ihnen gar gegen seinen Cajütenpassagier, den Supercargo, mit dem er immer sehr befreundet gewesen, beizustehen.
Und der Deutsche etwa, der schon bei ihnen an Bord gewesen? Das war ein vornehmer Herr und hatte ihnen deutlich genug gezeigt, daß er nichts mit ihnen zu thun haben wollte. Ein paar von ihnen redeten ihn allerdings an, – er war der Einzige, der für sie sprechen konnte, – aber er antwortete ihnen nicht einmal, zeigte nur auf den Supercargo, daß sie sich nur an den wenden sollten, und drehte ihnen dann den Rücken. Und der war ein Landsmann, – aber leider finden wir das gar häufig bei den Deutschen im Ausland, daß sie sich ihrer Nation und ihres Volkes schämen. Wir können uns allerdings damit trösten, daß alle Solche, die es thun, auch jedesmal Lumpen sind, und von den Fremden, unter denen sie leben, eben so verachtet werden, wie sie selber ihr Vaterland verachten; trotzdem bleibt es immer traurig, daß dem wirklich so ist.