So konnten denn die armen Leute nichts anderes thun, als sich in das Unvermeidliche eben fügen und über sich ergehen zu lassen was da komme. Sie besaßen nicht mehr die Macht es zu ändern.
Auch der Abend war noch bös, denn als die Matrosen eintrafen, die ihr Gepäck ordnen sollten, gingen diese entsetzlich rauh mit ihren Sachen um, und die Brasilianer, die umherstanden, wollten sich noch dazu todtlachen über all den Plunder, den sie mitgebracht, und der jetzt wild umhergestreut vor der Hütte lag.
Es ist allerdings wahr, die Deutschen schleppen Dinge mit in die Fremde, an die ein Anderer nicht einmal denken würde; aber arme Leute, die genau wissen, wie sauer es ihnen geworden, sich auch nur das Geringste in ihrem Hausrath anzuschaffen, und die dann nachrechnen, wie viel Arbeitstage an jedem Gegenstand hingen, trennen sich auch entsetzlich schwer von ihrem Eigenthum, und haben viel zu wenig Erfahrung in der Welt, um zu wissen, daß sie nutzloses Gepäck oft wieder doppelt und dreifach bezahlen müssen, um es nur an Ort und Stelle zu bekommen.
Auch Behrens' Frau hatte eingepackt, was sie nur noch irgend jemals zu benutzen glaubte, Töpfe und Tiegel, ja, sogar irdenes Geschirr dazwischen, das schon in Scherben in der Lade herum lag, Quirle und hölzerne Löffel, eine alte, zerbrochene Kaffeemühle, die hier Niemand repariren konnte, schweres, eisernes Werkzeug dazwischen, und Hausgeräth bis auf den Wischlappen hinunter. Dazwischen räumten die Matrosen jetzt mit ihren rohen Fäusten und roheren Scherzen auf. Was zerbrach, zerbrach eben und brauchte nicht mit verpackt zu werden, und die Arrieros oder Maulthiertreiber schnürten dann noch das Ganze mit rohhäutenen Riemen derart zusammen, daß Alles, was nur einigermaßen ruinirt werden konnte, auch seinem Schicksal sicher nicht entging.
Die Kisten selber wurden als vollkommen werthlos bei Seite geworfen; sie mochten höchstens noch als Brennholz dienen.
Ein Trost war für Behrens wohl noch der, daß eine andere, ziemlich ordentliche Familie denselben Herrn bekommen hatte und also ihr Schicksal theilen würde, aber der junge, wilde Bursch, der sich vermessen, daß, wer ihn kaufe, auch betrogen sein solle, begleitete sie ebenfalls, und dessen Gesellschaft war Keinem von Allen angenehm, ließ sich aber auch nicht ändern und mußte eben ertragen werden, wie das Übrige.
Die Packen waren geschnürt, – selbst, die Betten, obgleich die Frau sie gern herausbehalten hätte, weil sie jetzt nicht einmal wußten, wo und wie sie die Nacht schlafen sollten. Nur für das Jüngste war ein kleines Unterbett gerettet worden, und die Leute trösteten sich damit, daß es ja doch wohl nur für eine oder höchstens zwei Nächte sein würde.
An dem Abend nahmen noch die von ihnen Abschied, die in der Stadt blieben und vor Sonnenuntergang mit ihrem Gepäck abgeholt wurden. Sie hatten es verhältnißmäßig am besten, und doch schien ihnen das Herz ziemlich schwer, als sie ihren alten Reisegefährten Lebewohl sagen sollten. Aber lange konnten sie sich auch dabei nicht aufhalten, denn Jeder bekam gerade genug mit sich selber zu thun.
Übrigens wurde an dem Abend noch das eine Haus fast ganz geleert, denn einen Theil der deutschen Arbeiter beorderte man sogar noch mit einbrechender Dämmerung auf das eingelaufene kleine Dampfschiff, das die Küste befuhr. Wohin das sie brachte und zu wem sie kamen, wußten sie gar nicht; sie frugen darnach, erhielten aber keine Antwort, und man schien sie eben in der That als nichts weiter wie Leibeigene zu betrachten, bei denen von einer eigenen Meinung, einem eigenen Willen keine Rede sein konnte.
Die Nacht regnete es wieder entsetzlich und besonders arg zeigten sich die Mücken. Die armen Auswanderer verbrachten sie trüb genug auf den zusammengeschnürten Ballen ihrer Habseligkeiten und den Brettern ihrer zerschlagenen Kisten – man mußte sich eben einrichten, und sie ging ja auch vorüber. Am nächsten Morgen trafen endlich die Maulthiere ein, – nicht etwa früh, denn die Leute nehmen sich zu solchen Sachen immer Zeit und es ging schon auf Mittag, ehe sie nur geladen waren und fort konnten; Behrens erstaunte übrigens, als er nicht die geringsten Beförderungsmittel für sich und seine Familie sah. Kein kleiner Wagen, kein Pferd oder Maulthier. Sollten sie den ganzen Weg zu Fuß gehen? Es konnte eben nicht weit sein und dann ging sich's vielleicht auch besser auf den schlechten Wegen, als sie gefahren wären.