Essen bekamen sie heute gebracht, die nämliche Kost, die sie unterwegs erhalten: Bohnen und Maniokmehl, aber ein Stück frisches Fleisch dazu, – Alles in einer großen hölzernen Schüssel, in welcher blecherne Löffel staken. Sie mußten sich dann darum her auf die Erde niederkauern, um daraus zu essen.

Behrens und seine Frau glaubten nun allerdings, daß ihnen dies trostlose Local nur für den Augenblick zur Wohnung angewiesen sei, da man nicht Zeit gehabt, eine bessere Behausung so rasch für sie in Stand zu setzen, und in dieser Vermuthung wurden sie dadurch bestärkt, daß man sie auch am nächsten Tag noch zu keiner Arbeit aufforderte, sondern ihnen vollständig Zeit ließ, sich von dem beschwerlichen und ermüdenden Marsch zu erholen. Gewiß bereitete man indessen ein neues kleines Haus für sie vor, an dem sich dann auch ein Garten befand, denn das hatte ja Herr Kollboeker daheim dem Auswanderer noch ganz besonders in seinen Contract gesetzt.

Am dritten Tag morgens, aber auch erst nach dem Frühstück, kam der Mulatte und sagte ihnen etwas in seiner Sprache, auf das der junge Bursch, der Pölke hieß, und der sich indeß wieder vollständig erholt hatte, lachend erwiederte: »Ich danke Dir, Du erbsenbedroschenes Gelbfell Du; wir befinden uns vollkommen wohl.«

Der Gelbe grinste, daß ein paar Reihen blendend weißer Zähne zum Vorschein kamen, mochte sich aber doch auf keine weitere mündliche Erörterung einlassen, sondern winkte ihnen nur mit der Hand, ihm zu folgen.

Behrens zeigte jetzt fragend auf sich; der Mulatte wiederholte aber die frühere Bewegung für Alle mit einander, – nur die Frau nicht, die den Säugling auf dem Schoß hatte; sie und das kleinste Kind, der Christian, sollten da bleiben.

Natürlich folgten sie Alle der Aufforderung und glaubten auch, sie würden nun zu dem Herrn geführt werden, um dort das Weitere mit ihm zu besprechen. Das aber war nicht der Fall; der Mulatte brachte sie gleich in das Feld hinaus, zwischen das Zuckerrohr, wo schon eine Anzahl von Negern beschäftigt war, den Boden aufzuhacken. Werkzeug lag dort ebenfalls, und die neuen »Arbeiter« wurden angewiesen, sich den übrigen »Sclaven« anzuschließen.

Weigern durften sie sich nicht, – waren sie doch auch nur deshalb nach Brasilien gekommen, um jede ihnen übertragene Arbeit auszuführen, und mit gutem Muth und heute auch wieder frisch gestärkt, begannen sie ihre neue Beschäftigung. Lieber Gott, Arbeit waren sie ja von Jugend an gewöhnt – und harte Arbeit dazu – in Deutschland hatte man ihnen ebenfalls nichts geschenkt, und hier sollten sie ja nur schaffen, um freie und selbstständige Menschen zu werden. Je früher sie also damit begannen, desto rascher lief auch ihre Dienstzeit ab, und wenn sie erst einmal für sich selber beginnen konnten, mußte auch das Schwerste überstanden sein.

Achtes Capitel.
Der deutsche Consul.

So verging Tag nach Tag, ohne daß sich in ihrer sonstigen Lage etwas geändert hätte. Regelmäßig wurden sie zur Arbeit gerufen, und regelmäßig mit Dunkelwerden wieder nach Hause geschickt, aber eine andere Wohnung bekamen sie nicht, und auch weder Tisch noch Stuhl hinein. Behrens versuchte noch einmal, mit ihrem Mulatten-Aufseher anzuknüpfen. War er aber früher nicht besonders gesprächig gewesen, so wich er jetzt besonders jeder Unterhaltung oder Frage entschieden dadurch aus, daß er einfach mit der einen Hand schüttelte, als ob er sagen wollte: »Laßt mich zufrieden, ich verstehe ja doch nichts von Eurer Sprache.«