Behrens hatte in der Thür gestanden und sie kommen sehen; aber er trat in das Haus zurück, denn er wollte sie nicht da draußen anreden. Der deutsche Consul mußte ja doch auch einmal das Innere dieser Wohnung in Augenschein nehmen, um dann selber beurtheilen zu können, wie man deutsche Arbeiter hier in Brasilien behandelt.

Die Reiter kamen näher; jetzt hielten sie dicht vor der Thür, und als sich da noch immer Niemand von den Deutschen zeigte, wurde ein Neger abgeschickt, um sie herauszurufen. Er mußte melden, daß der Herr die Leute zu sprechen wünsche.

Behrens schüttelte mit dem Kopf; er hatte sich den Besuch eines deutschen Consuls in den fernen brasilianischen Colonien anders gedacht, aber er gehorchte doch dem direct gegebenen Befehl, und trat im bloßen Kopf in die Thür, – der andere Deutsche war gerade nicht zu Haus, sondern nach trockenem Holz in das nächste Dickicht gegangen, und Frau und Kinder drängten sich neugierig nach.

Draußen vor der Thür hielten die Reiter, Senhor Almeira, ein anderer Brasilianer aus Porto Seguro, wie sich später herausstellte, der Beamte des Hafens, und der fremde Deutsche, der sie augenblicklich mit einem freundlichen: »Guten Tag, ihr Leute, wie geht's?« anredete.

Es war ein noch junger, ziemlich elegant gekleideter Herr, in einem leichten, hellen Rock und einen großen, feinen Panamahut auf. Er trug eine goldene Brille und viele Ringe an den Fingern, und eine schwere, goldene Uhrkette. Er hatte auch ein gutmüthiges Gesicht und blaue Augen, und die Anrede allein gewann ihm schon die Herzen; lieber Gott, es waren ja die ersten deutschen Laute, die seit langer, langer Zeit zu den Ohren der armen Auswanderer drangen, und der Mann gerade sollte ihnen helfen.

»Ja, wie geht's, Herr,« seufzte Behrens, »was soll man da sagen. Gesund sind wir noch bis jetzt, Gott sei Dank, und gearbeitet haben wir rechtschaffen, und auch noch gerade keine Noth gelitten.«

»Nun, ich denke,« lächelte der Consul, »dann ließe es sich schon aushalten, und Ihr könntet immerhin antworten: gut! Ist das Eure Familie?«

»Ja, Herr,« erwiderte Behrens, »von dem gut ist's aber doch noch ein großes Stück weit weg, denn wir haben einen Contract, von dem wir kein Ende absehen können, und neulich hat uns der Herr da gesagt, daß wir im ganzen vorigen Jahre, trotz unserer schweren Arbeit keinen Pfennig verdient hätten, und also noch immer, wie früher, in seiner Schuld wären, und das ist doch entsetzlich hart.«

Der Consul erwiderte ihm nichts hierauf, sondern wandte sich an den ihn begleitenden Almeira, der ihm achselzuckend Einiges entgegnete, worauf der Deutsche langsam mit dem Kopf nickte.

»Eure Nahrung oder Kost habt Ihr doch immer reichlich erhalten?« frug er dann weiter.