»Und dann,« fuhr Behrens fort, »wie wohnen wir hier? Wenn sie nur einmal von ihrem Pferd heruntersteigen wollten, Herr Consul, und sich den Platz ansehen – bei uns daheim haben ihn die Kühe genau so, und wie die Neger wohnen, die nie ein anderes Leben gesehen haben, so sind wir auch einquartiert, wobei es nur ein reines Wunder ist, daß wir noch nicht Alle krank geworden.«
»Aber das Dach scheint doch dicht zu sein,« sagte der deutsche Herr, indem er einen Blick über das Gebäude warf, ohne jedoch der Einladung Folge zu leisten und näher zu treten.
»Dicht ist's,« sagte jetzt die Frau hinter ihres Mannes Schulter vor; »nur an der einen Ecke schlägt der Regen etwas herein; aber sonst gehören keine Menschen hinein, das weiß Gott – aber Gott weiß hier eigentlich überhaupt nichts mehr von uns, denn in eine Kirche sind wir nicht mehr gekommen seit dem letzten Mal daheim, und wenn einer von uns krank wird, so fragt auch kein Arzt nach uns, und wenn wir sterben – nun so kommen wir wohl auch in so ein Loch, wie das ist, wo hinein sie die Neger werfen.«
»Ihr guten Leute,« sagte der Consul, indem er auf seinem Sattel umherrückte, »Ihr scheint mir über Alles unzufrieden zu sein. Daß Ihr mitten im brasilianischen Urwald in keine Kirche gehen konntet, mußtet Ihr doch vorher gewußt haben. Macht nur Eurem Herrn das Leben nicht zu schwer.«
»Ja, wir machen's ihm schwer,« lachte der Mann bitter vor sich hin, »der hat sich zu beklagen. Sogar dafür, daß der Junge, der Pölke, ihm weggelaufen ist, wollte er uns verantwortlich machen, und dem seine Rechnung auf unsere Kosten ausgleichen – aber da müßte ja doch keine Gerechtigkeit mehr auf der Welt sein, und das wollten wir einmal sehen.«
»Ihr dürft keinen Streit hier anfangen, Leute,« wehrte aber der Consul ab, »das kann Eure Lage nur verschlimmern – ich will mit Senhor Almeira über all Eure Verhältnisse sprechen. Er ist ein sehr braver, billig denkender Mann; er wird sein Möglichstes thun, um Euch gerecht zu werden; verlaßt Euch darauf und fahrt nur ruhig und unverdrossen in Eurer Arbeit fort, ohne den Herrn durch Widersetzlichkeit zu reizen.«
»Ja wohl, Herr Consul,« sagte Behrens bitter – »ungefähr sowie ich's mir gedacht habe – es bleibt eben Alles beim Alten.«
»Das wollen wir erst sehen,« sagte der Consul, indem er sein Pferd wandte – »ich werde mir Euren Contract vorlegen lassen und selber nachsehn. Ich bringe Euch dann noch Antwort, ehe ich gehe,« und zu den beiden Brasilianern hinüber reitend, die sich indessen mit einander unterhalten hatten, sprengten die drei Herren wieder zum Haus zurück, wo indessen, auf der schattigen Veranda, das Frühstück war servirt worden.
»Nun, Senhor,« lachte Almeira, als sie den Platz verließen, »haben sie Ihnen die Ohren recht voll geklagt?«
»Lieber Gott,« erwiederte der Consul, »ich bin schon daran gewöhnt. Die Leute sind nie zufrieden, wohin man sie auch bringt, weil sie mit zu großen Hoffnungen herüber kommen. Übrigens lassen sie sich leicht behandeln und mit ein wenig Nachsicht werden Sie gewiß mit ihnen fertig werden. Sie arbeiten doch fleißig?«