»Ich will mich darüber nicht beklagen,« sagte der Brasilianer gleichgültig, »wenn mir auch ein Neger gerade so viel fertig bringt, wie zwei Deutsche; wenigstens sind sie zuverlässig, und was die Hauptsache ist, trinken nicht.«

»Dürfte ich Sie nachher wohl einmal um den Contract bitten?«

»Ja wohl, mit dem größten Vergnügen, – aber jetzt lassen wir die langweilige Gesellschaft, denn ich sehe, daß unser Frühstück bereit ist.«

In der luftigen Veranda des Hauses saßen die drei Herren allein bei allen Delicatessen, die das reiche Land erzeugte, lachten, plauderten und tranken den gekühlten Wein dazu. Drinnen in der elenden Negerhütte, den Kopf in beide Hände gestützt, saß Behrens, der deutsche Arbeiter, und stierte still und schweigend vor sich nieder, während Keines der Seinen auch nur ein Wort zu ihm zu reden wagte – hatte man ihnen doch eben auch ihre letzte Hoffnung genommen.

Wie rasch der Herr Consul übrigens seine Inspectionen beendet, sollten sie schon am nächsten Mittag erfahren, wo Hannchen die Nachricht nach Hause brachte, daß der Deutsche mit Tagesgrauen den Platz verlassen habe, um in der Kühle einen Theil des Weges nach dem Hafen zurück zu legen. Aber in etwas schien er trotzdem für die Deutschen gewirkt zu haben, denn Mancal, der Mulatte, betrat bald darauf ebenfalls die Hütte, und theilte Behrens mit, er werde ihm heute Abend einen Gartenplatz anweisen, den er für sich benutzen und darauf bauen könne was er wolle. Es war ein einziger Lichtblick in ihr trauriges Dasein.

Und welchen Platz wies ihm der Gelbe an? – ein Stück Wald neben der nächsten Kaffeepflanzung, etwa tausend Schritt von ihrer Hütte entfernt, und noch mit vielen hohen Bäumen bestanden. Wie mußte er da erst arbeiten, ehe er nur daran denken konnte den Boden zu benutzen. Doch murrte er nicht; er war selbst für das Wenige dankbar, und da ihm der Aufseher sagte, daß er sich da ausbreiten könne soweit er wolle, ging er mit seinen Kindern schon am nächsten Sonntag an die Arbeit, um das Ausroden zu beginnen.

Neuntes Capitel.
Die Folgen des Contracts.

Von da an gab es keine Sonntage mehr für die Familie, denn jeder freie Augenblick mußte benutzt werden, um ihren »Garten« in Stand zu setzen, und da sie Alle mit größtem Eifer angriffen, ja die nächste Familie ebenfalls dazugezogen wurde, um den Platz nachher gemeinschaftlich zu benutzen, rückten sie auch rasch vorwärts.

In zwei Monaten hatten sie schon die Bäume, die nothwendig gefällt werden mußten, umgeworfen und aus dem Weg gerollt, kleine Fruchtbäume konnten jetzt schon gepflanzt und der Boden hergerichtet werden, und noch zwei Monate, und ihr heiß ersehntes Ziel war endlich erreicht, – der Gartenplatz wenigstens fertig und wurde nun besäet und besteckt.

Die gewöhnliche Arbeit ging indessen fort, wieder ein ganzes Jahr, – aber die Frau fing an zu kränkeln, – das feuchte und doch so heiße Klima sagte ihr nicht zu, und sie wurde häufig von Fiebern heimgesucht, – auch das jüngste Kind wollte sich nicht recht kräftigen und machte ihnen viele Sorge.