Schweres Unglück hatte aber auch in diesem Jahr das Herrenhaus betroffen, denn Senhora Almeira war gestorben und von all ihren Sclaven und Dienern auf das Aufrichtigste beweint worden, – nur nicht von ihrem Gatten, der sich die letzte Zeit fast gar nicht um sie gekümmert, und ihre Pflege allein der jungen Deutschen und einer alten, treuen Negerin überlassen hatte.
Hannchen führte indessen drüben die Wirthschaft im Hause, und zwei Monate etwa schien das gut zu gehen, – da kam sie eines Mittags zu ihren Eltern mit verweinten Augen herüber, und erklärte, daß sie das Herrenhaus nicht wieder betreten würde.
Die Eltern frugen nicht weshalb, und als Mancal an dem Nachmittag herunter kam und sie wieder zu ihrem bisher besorgten Dienst schicken wollte, wies sie ihn mit so zornigen Worten ab und erklärte so bestimmt, nie wieder anders, als in Gemeinschaft mit ihren Eltern und Geschwistern zu arbeiten, daß er ordentlich scheu vor dem indessen hoch aufgeschossenen, bildschönen Mädchen zurücktrat und sie in der Hütte ließ. Von da ab wurde sie nie wieder in das Herrenhaus gerufen.
Senhor Almeira verließ am nächsten Tag seine Pflanzung. Sie sahen ihn nach dem Hafen zu reiten, und glaubten, daß er nur einen seiner gewöhnlichen Besuche dort abstatte, aber er kam nicht zurück. Woche nach Woche verging, Monat nach Monat, und er ließ sich nicht wieder da draußen sehen. Aber die Arbeit ging fort und Behrens, der indessen doch auch ein wenig Portugiesisch gelernt hatte, verlangte von ihrem Aufseher zu erfahren, wie ihre Rechnung stand. Dieser freilich zuckte die Achseln, und meinte, davon wisse er gar nichts. Sein Herr sei mit dem Dampfer nach Rio Janeiro gefahren und habe ihm nur den Befehl hinterlassen, die Arbeiten bis zu seiner Rückkunft in der gewöhnlichen Art fortzuführen. Er könne aber kaum mehr lange ausbleiben, und dann möge er mit ihm selber sprechen, – bis dahin müßten sie sich gedulden.
Die Frau wurde indessen kränker, und Behrens verlangte einen Arzt. Mancal versprach ihm, nach der Stadt zu schicken, und am nächsten Tag ging auch ein Zug mit einigen vierzig Maulthieren dorthin ab, um den vorräthigen Kaffee nach dem Hafenplatz zu senden, – aber es dauerte viele Tage, bis diese dort eintrafen, und als der Doctor endlich wirklich ankam, fand er Jammer und Thränen in der Hütte, aber keinen Patienten mehr.
Das Kind war zuerst gestorben und die Mutter, deren Zustand der furchtbare Schmerz nur noch verschlimmerte, ihm bald gefolgt.
Und wieder vergingen Monate – Monate voll schwerer Arbeit, als Senhor Almeira eines Tages – so plötzlich, wie er gegangen, auf sein Gut zurückkehrte und eine neue Frau, eine junge Französin, mitbrachte. Begleitet war er dabei von einer ganzen Gesellschaft von Herren und Damen aus Porto Seguro, und die Festlichkeiten nahmen kein Ende. Die Deutschen wollten jetzt mit ihm sprechen, aber wo hätte er Zeit gehabt sie anzuhören; sie wurden auf später vertröstet, und er ließ ihnen nur sagen, sie sollten sich beruhigen, ihre Zeit sei noch nicht um – wenn sie es wäre, würde er es ihnen selber mittheilen.
Die Deutschen weigerten sich jetzt zu arbeiten, aber sie verschlimmerten nur dadurch ihren Zustand, denn Mancal drohte die Neger gegen sie zu bewaffnen und Militär aus der Stadt holen zu lassen; dazu wurde das frische Fleisch und Mehl zurückgehalten und die wenigen Menschen fühlten wohl, daß sie hier nichts mit Gewalt ausrichten konnten. Sie waren auch schon geistig wie körperlich so gebrochen, daß sie nicht wagten, es auf das Schlimmste ankommen zu lassen.
Senhor Almeira verkehrte von da an nie wieder selber mit ihnen, oder erwiderte nur selbst ihren Gruß, wenn sie ihm begegneten, und seine junge Frau dachte nur an Putz und Festlichkeiten. Sie waren auch nur selten zu Hause, denn das Leben auf der abgeschiedenen Hacienda mochte ihr wohl, als sie der Besuch verlassen, zu einsam sein. Bald ritten sie da, bald dort hin und dann kamen große Sendungen aus dem Hafen, ganze Maulthierzüge mit neuen Meublen, Tapeten, Geschirren und anderen Dingen, um die stille Pflanzerwohnung in einen Palast zu verwandeln.
Behrens der jetzt wohl fühlte wie sie mit ihrem Herrn standen, dachte auf Flucht – aber er hätte doch nicht mit seiner ganzen Familie entfliehen können, und sollte er allein fliehen, um in der Hauptstadt des Landes Schutz und Recht bei seinen Landsleuten zu suchen, wie wäre es indessen den Seinen ergangen, und wie durfte er selber hoffen, ohne die geringsten Mittel die ferne Stadt zu erreichen? Es wäre ein verzweifeltes und völlig nutzloses Unternehmen gewesen.