»Ist das Eure Wohnung?«

»Ja, Herr.«

»Und wie lange haust Ihr jetzt schon etwa hier?«

»Es wird nahe an die sechs Jahre gehen.«

»Sechs Jahre? Das ist eine lange Zeit. Und habt Ihr Euch indessen was Ordentliches verdient?«

»Verdient?« frug der Mann, und ein eigenes, trübes Lächeln zuckte um seine Lippen, »wenn wir nicht noch in Schulden wären, brauchten wir wenigstens nicht länger unter einem Mulattenaufseher zu arbeiten, wie die anderen Sclaven auch.«

»So?« sagte der Mann, und sah ihn rasch und aufmerksam an, »und habt Ihr fleißig gearbeitet in der Zeit?«

»Wie wir's von daheim gewohnt waren, Herr, – wir haben als rechtschaffene Leute unsere Pflicht gethan. Der einzige Fehler war nur, daß ich meinen Namen unter eine Schrift auf ein Stück Papier setzte. Ich wußte wohl, was drin stand, aber doch nicht so recht, die Sache hatte einen kleinen Haken, und was mir gute Menschen darüber sagten, glaubte ich nicht, – oder doch wenigstens nicht, daß andere Menschen so schlecht sein könnten. Mit meinem Namenschreiben habe ich damals mich und meine Familie für ewige Zeit verkauft, – verauctionirt wurden wir auch gleich, so wie wir nur nach Brasilien herkamen.«

»So?« sagte der Fremde wieder und sah dabei still vor sich nieder, »und habt Ihr vielleicht das Papier oder eine Abschrift davon bei der Hand, auf daß Ihr Euren Namen gesetzt?«

»Nein, Herr, das Papier haben sie uns abgenommen; es war auch eigentlich nicht für uns, sondern für den Käufer; aber mein Name steht richtig darauf und jetzt ist an der Sache nichts mehr zu thun, wie sie mir es auch in Deutschland vorhergesagt. Wir sind einmal verkauft und bleiben verkauft.«