Der Fremde, ohne sich weiter um das Negermädchen zu bekümmern, trat mit dem Deutschen in das Haus, und sich dort einen Stuhl zu dem roh gearbeiteten Tisch rückend, sagte er ruhig und freundlich: »Und nun, Kamerad, wie heißt Ihr gleich?«
»Behrens, Herr –«
»Also nun, Behrens, erzählt mir einmal Eure ganze Lebensgeschichte, wenigstens von der Zeit an, wo Ihr den Entschluß gefaßt habt, nach Brasilien auszuwandern. Macht es so kurz und einfach wie möglich, denn ich weiß auch schon ein wenig Bescheid, und brauche die Einzelheiten nicht alle zu wissen, und scheut Euch nicht im Mindesten, mir die volle Wahrheit zu sagen. Ich meine es gut mit Euch, und es ist möglich, daß ich Euch nützen kann.«
Behrens schüttelte dazu freilich den Kopf, der Fremde aber, indem er seine Brieftasche und einen Bleistift herausnahm, drängte noch einmal: »Erzählt mir nur, ich werde Euch nicht unterbrechen, aber ich muß eben Alles wissen, und wir haben vielleicht nicht so sehr lange Zeit.«
Behrens sah noch eine kleine Weile still vor sich nieder. Lang vergangene, schon fast vergessene Bilder tauchten vor ihm auf, – sollte er noch einmal in die alten Wunden greifen? Und weshalb nicht? Wühlte er doch das ganze Jahr darin herum, und der Fremde sah ihn ja so gut und freundlich an. So faßte er sich denn ein Herz und erzählte ihm von Anfang bis zu Ende die Geschichte seiner Auswanderung, und wie es ihm hier gegangen. Er setzte dabei nichts hinzu, ja, er ging sogar in einem ganz richtigen Gefühl über eine Masse von Nebensachen leicht hinweg, und war deshalb im Stande, dem Besucher in kurzen aber scharfen Umrissen ein Bild all ihrer Schicksale zu geben. Der Fremde unterbrach ihn auch mit keinem Wort, – nur manchmal, wenn er irgend eine Ergänzung brauchte, warf er eine kurze Frage ein, die ihm dann Behrens eben so kurz und bündig beantwortete.
So hatte er denn in kaum einer halben Stunde die Schicksale der armen Auswanderer genau und vollkommen kennen gelernt, aber er hörte ihm nur zu, und versprach ihm nicht etwa, daß er ihm helfen und die Familie aus ihrer traurigen Lage befreien wolle. Er war nur ein Reisender, wie er sagte, der zufällig in diese Gegend gekommen, um das Land kennen zu lernen und sich mit den Zuständen desselben bekannt zu machen. Was aber in seinen Kräften stand, versprach er zu thun, um den Leuten Recht zu verschaffen, sie sollten nur nicht glauben, daß das so schnell gehen könne. Brasilien sei ein zu großes Land, und man müsse immer eine weite Strecke von einem Ort zum anderen reisen, wenn man irgend etwas erreichen wolle.
In dieser Zeit kamen auch die übrigen Leute von der Arbeit zurück, und Behrens sah, wie Senhor Almeira ebenfalls an ihrer Hütte vorüber seinem Hause zusprengte, plötzlich aber sein Thier herumwarf, als er das fremde Pferd am Hause bemerkte.
»Das ist der Herr,« sagte der Arbeiter scheu zu seinem Gast, indem er hinaus deutete, »der wird Sie jetzt mit sich hinauf nehmen.«
»Ach,« lächelte der Fremde, »da werde ich mich ihm vorstellen müssen; – also habt guten Muth, Freund; es ist allerdings eine schwere Zeit, die Ihr hier durchgemacht, aber vielleicht wird doch noch einmal Alles besser. Ist das Eure Tochter?«
»Ja, Herr, meine Älteste.«