Senhor Almeira hatte jedenfalls ein solches Gefühl, als er mit seinem Gast dem Hause zuritt, und freundlicher wurde er dadurch wahrlich auch nicht gegen ihn gestimmt, als er dort erfuhr, daß der Herr schon vorher am Hause gewesen, und trotz der Einladung der Senhora wieder zu der Hütte der deutschen Arbeiter zurückgeritten sei. Was kümmerten ihn die, daß er ihre Gesellschaft sogar suchte? Aber das mußte sich bald herausstellen, und vor allen Dingen durften die Formen der Höflichkeit, die so Manches übertünchen, nicht außer Acht gelassen werden.

Der Gast lehnte indessen das noch immer seiner harrende Frühstück sehr artig ab, da er erklärte, sich Provisionen von der letzten Facienda mitgenommen und unterwegs sehr romantisch unter einer Palme gefrühstückt zu haben. Nur ein Glas Wein konnte er nicht ausschlagen und eine Cigarre, und unendlich liebenswürdig zeigte sich die junge Dame vom Haus gegen ihn, als sie fand, daß er eben so gut Französisch als Portugiesisch sprach. Außerdem kam er, wie er erzählte, direct aus der Hauptstadt des Landes, aus Rio de Janeiro, – ihrem Rio, wie sie sagte, nach dem sie sich ewig und unendlich sehnte, und das Kleinste und Geringste von dorther hatte ja das spannendste Interesse für sie, die sie hier »weggesetzt in eine Wüste« saß, und, wie sie meinte, vor Langeweile eines langsamen Todes stürbe.

Auch darüber freute sich Senhor Almeira nicht, und zog nur heftiger an seiner Cigarre.

»Und was bringt Sie in diese Wüste, mein verehrter Senhor,« sagte er nach einer Weile, »wenn meine arme Frau denn wirklich recht hätte, unsere sonst so sehr freundlich gelegene Facienda so zu nennen. Wollen Sie noch weiter in das Innere?«

»Ich glaube kaum, mein verehrter Herr,« erwiderte der Deutsche, »habe auch, wie Sie sehen, als einziges Gepäck nur meine sehr kleine Satteltasche mit etwas Wäsche bei mir. Die einzige Absicht auch, Senhor, in der ich hierherkam, war, um mich nach den Verhältnissen einiger deutscher Landsleute zu erkundigen, von denen ich in Porto Seguro, ebenfalls von einem Landsmann, gehört, daß es ihnen sehr schlecht ginge.«

»Doch nicht bei mir, wie ich hoffen will,« sagte Senhor Almeira mit einem so finster drohenden Blick, daß seine Frau ordentlich darüber erschrak.

Der Deutsche aber fuhr eben so höflich fort: »Allerdings, Senhor. Unsere Regierungen daheim fangen doch nachgerade an, auf die hier in Brasilien mit deutschen Auswanderern abgeschlossenen Verträge aufmerksam zu werden, was ich ihnen nicht einmal zum Verdienst anrechne, denn sie hätten es schon lange thun sollen, und es bleibt da immer interessant, sich einmal an Ort und Stelle nach den Verhältnissen derselben zu erkundigen.«

»Und haben Sie eine Vollmacht, das zu thun?«

»Nein, Senhor,« sagte der Deutsche freundlich, »nicht die geringste, denn die könnte auch nur, wie Sie selber recht gut wissen, von Ihrer eigenen Regierung ausgehen, da keine andere hier im Lande Geltung haben würde.«

Almeira lachte laut auf. »Und was brachte Sie auf die wunderliche Idee,« rief er, »zu glauben, daß wir hier verpflichtet sind jedem herge–kommenen Fremden die Verhältnisse unserer Arbeiter vorzulegen?«