»Also würde nach dieser Übersicht die Familie wohl kaum die Aussicht haben, in diesem Jahre frei zu kommen.«
»In diesem Jahre?« rief Senhor Almeira erstaunt aus, »sie schulden mir jetzt fast noch mehr, als an dem Tag, an welchem sie auf die Facienda kamen. Aber was verlangen sie auch mehr? Sie haben zu leben, was sie in ihrem eigenen Vaterland nicht hatten, sonst würden sie es wohl schwerlich auf einen solchen Contract hin verlassen haben.«
»Es ist freilich immer hart für die armen Leute,« sagte der Deutsche, »wenn man bedenkt, daß sie eigentlich sechs Jahre hier für nichts gearbeitet haben sollen und dann noch das Gefühl mit sich herumschleppen müssen, bis über die Ohren in Schulden zu stecken. – Hattet Ihr Schulden in Deutschland, Behrens?«
»Nie einen Pfennig, Herr,« sagte Behrens, der mit zitternden Lippen seinem hier gefällten Urtheil gelauscht, aber auch nicht eine Sylbe dagegen eingewendet hatte. – Was half es ihm auch, – dort stand Alles schriftlich und sein eigener Name, von ihm selbst geschrieben unter dem Contract, – was war da zu machen? Sie waren verkauft und blieben verkauft; selbst der deutsche Herr konnte nichts dagegen thun. Und nicht einmal den Tod durfte er sich dabei wünschen, denn was sollte dann aus seinen Kindern werden.
»Ich dachte es mir,« nickte der Fremde. »Recht traurig das, – aber wissen Sie wohl, Senhor Almeira, daß Sie da ein gutes Werk thun könnten?«
»Ich, Senhor? Inwiefern?«
»Die Deutschen haben Ihnen doch, wie Sie selber sagen, wacker gearbeitet und sind eigentlich unschuldig an den vielen Mißfällen, welche Sie betroffen.«
»Ich habe ihnen auch nichts davon zur Last gelegt oder es sie entgelten lassen.«
»Sehr freundlich von Ihnen,« nickte der Fremde, »aber meiner Meinung nach würde es doch Zeit, daß sie jetzt einmal für sich selber anfingen, wenn sie nicht elend hier verkümmern sollen. Auch das heiße Klima dieser Gegend sagt ihnen nicht zu. Der Mann da gleicht eher einem Skelett, als einem lebenden Wesen.«
»Und was kann ich dazu thun?«