»Der Contract,« fuhr der Deutsche fort, »ist von schurkischen Agenten zusammengestellt; die armen Teufel, denen man noch obendrein hier in Brasilien goldene Berge versprach, glaubten ihrem Glück entgegenzugehen, und rannten dadurch in ihr Unglück. Die Mutter der Kinder, das jüngste Kind, ihre eigene Gesundheit haben sie dabei eingebüßt: lassen Sie es damit genug sein und geben Sie die armen Menschen frei.«
»Sie haben vortrefflich reden, mein bester Herr,« lachte Almeira, »aber so reich bin ich nicht, daß ich einen solchen Verlust aus meiner Tasche tragen könnte und möchte. Ich gebe zu, daß beide Theile unter dem Contract leiden, aber – ich glaube Ihr könnt jetzt gehen, Freund, – unsere Geschäfte sind so weit beendet, nicht wahr?«
Der Fremde nickte, und Behrens stand langsam auf, grüßte ehrfurchtsvoll und wollte dann die Veranda verlassen, als die Senhora plötzlich aufstand und rief: »Halt, Freund, – Ihr seid sehr angegriffen, – trinkt erst hier ein Glas Wein, das wird Euch gut thun.« Sie schenkte auch augenblicklich ihr eigenes Glas voll und reichte es ihm hin, und wenn auch Senhor Almeira gar nicht damit einverstanden schien, denn er sah ziemlich finster dabei aus, so hinderte er es wenigstens nicht. Er wußte außerdem recht gut, daß sich die Senhora nichts verbieten ließ.
Behrens kam in Verlegenheit, denn das war ihm noch nie in dem Hause geboten, aber er nahm das Glas, trank es langsam aus, stellte es wieder hin und dankte herzlich, hätte auch gern der jungen Frau die Hand gereicht, aber das wagte er nicht. Er fühlte, daß er jetzt hier überflüssig war, stieg mühsam die Treppe der Veranda hinab, und schwankte seiner eigenen Wohnung wieder zu.
Der Fremde war ein stiller aber aufmerksamer Beobachter der ganzen Scene gewesen; jetzt, als der Kranke den Platz wieder verlassen, sagte er freundlich: »Sie unterbrachen sich vorhin in Ihrer Rede, verehrter Herr; Sie wollten etwas sagen, was der – Alte da nicht zu hören brauche.«
»Es betrifft die Verhältnisse unseres Landes,« erwiderte Almeira gleichgültig.
»Und in wie fern, wenn ich fragen darf; so weit sie mit den Parcerie-Arbeitern in Verbindung stehen?«
»Wir können uns nicht verhehlen,« fuhr der Pflanzer fort, »daß in den nächsten Jahren diesem ganzen Reiche Veränderungen bevorstehen. Der in Nordamerika gegen die Sclaverei ausgebrochene Krieg, – wie sich nun auch das Resultat stellt, kann nicht ohne Folgen bleiben. Es giebt eine Partei, die immer nur von zertretenen Menschenrechten faselt und der einen Hälfte gerade die Rechte abstreiten möchte, die sie für die andere verlangt. Möglich, daß uns hier noch ein wirklicher Ausbruch auf lange Jahre hinaus erspart bleibt, möglich aber auch, daß er doch rascher eintritt, als wir jetzt denken, und was soll aus dem Land selber werden, wenn uns hier im Süden die Sclavenarbeit fehlt? Es müßte zu einer Wildniß werden.«
»Und deshalb sehen Sie in den Parcerie-Arbeitern einen einigermaßen nützlichen oder vielmehr völlig nothwendigen Ersatz?«
»Allerdings.«