»Und so wollt Ihr aus den armen verkauften Menschen Europas, die auf betrügerische Weise hierher gelockt wurden, weiße Sclaven machen?« frug die Französin, die selber mit äußerster Spannung der Auseinandersetzung gefolgt war.

»Es scheint allerdings so,« lächelte der Deutsche.

»Liebes Kind, das verstehst Du nicht,« sagte aber Senhor Almeira, »denn Euch Frauen läuft gewöhnlich das Gefühl mit dem Verstand davon. Thue mir auch die Liebe und mische Dich nicht in Dinge, die Dir so fern liegen.«

»Und doch nicht so fern, als Sie vielleicht glauben oder wünschen, Senhor,« rief die junge Frau, die sich in einer merkwürdigen Aufregung zu befinden schien. »Als ich Ihr Haus betreten –«

»Entschuldigen Sie mich,« sagte der Deutsche, rasch von seinem Sitz aufstehend, »ich möchte nicht Zeuge einer Familienscene sein, bei der ich nicht einmal unparteiisch bleiben könnte. Ich habe Alles erfahren, was ich zu erfahren wünschte, und wiederhole nur noch einmal die Frage an Sie, Senhor, wollen Sie die deutschen Familien, nachdem sie sechs Jahre für ihre Überfahrt gearbeitet, frei geben oder nicht?«

»Mein Herr,« rief nun aber auch der Brasilianer erbittert, »in thörichter Gutmüthigkeit bin ich bis jetzt auf Ihre Forderung eingegangen, den Arbeitern Auskunft über den Stand ihrer Angelegenheiten zu geben; ich muß mir aber jede weitere Einmischung in meine Verhältnisse auf das Ernstlichste verbitten. Wenn ich es an der Zeit halte, den Leuten die Erfüllung ihres Contractes zu erlassen, werde ich es thun, wünsche aber nicht von irgend Jemandem, wer es auch sei, dazu getrieben zu werden, und sehe außerdem – vor der Hand wenigstens – noch nicht die geringste Veranlassung dazu.«

»Dann habe ich die Ehre, mich gehorsamst zu empfehlen,« sagte der Fremde, »und nur Ihnen noch, gnädige Frau, muß ich herzlich für den Antheil danken, den Sie an dem Schicksal meiner armen Landsleute nehmen.«

»Bleiben Sie noch, Senhor,« sagte die junge Frau leidenschaftlich, »die Bande, die mich an dieses Haus knüpfen –«

»Senhora!« rief Almeira fast erschreckt aus.

Der Deutsche wartete aber keine weitere Erklärung ab. Er hatte seinen Hut aufgegriffen, und rasch die Veranda hinabeilend, trat er zu seinem Pferd, das an einem, in einen Orangenbaum geschlagenen Ring befestigt war, warf es los, schwang sich in den Sattel und sprengte dann, seinem Thier die Sporen einsetzend, die Straße hinab. Am Hause des Deutschen war es einmal, als ob er einzügeln wollte, aber er mußte sich eines Anderen besonnen haben, denn er verfolgte seinen Weg und war bald, auf einer Biegung der Straße, in dem dichten Laub der Bäume verschwunden.