Der Deutsche ließ ihm aber nicht lange Zeit, sich mit Vermuthungen zu quälen, denn die Treppe zu der Veranda ersteigend, sagte er, sehr höflich aber auch sehr ernst: »Senhor Almeira, ich war vor einiger Zeit als flüchtiger Besuch bei Ihnen und nahm da Gelegenheit, mit Ihnen über die Verhältnisse Ihrer deutschen Parcerie-Arbeiter zu sprechen.«

»Und was mit denen, Herr?« fuhr Almeira heftig auf.

»Bitte, ereifern Sie sich nicht unnöthig,« erwiederte ruhig der Deutsche, »Sie verweigerten damals ihre Freilassung. Jetzt komme ich – in Begleitung dieser Gerichtsbeamten mit einer Anklage zu ihnen, die ich selber in Rio anhängig gemacht, daß Sie – falsches Buch über Ihre Ausgaben und Einnahmen in Betreff dieser unglücklichen Menschen geführt, und die mich begleitenden Gerichtsbeamten sind beauftragt worden, der Sache auf den Grund zu gehen.«

Almeira war bei der Beschuldigung emporgefahren, aber auch jeder Blutstropfen hatte seine Wangen verlassen und nur mit fast tonloser Stimme rief er aus: »Das ist eine niederträchtige Lüge!«

»Es wird sich jetzt zeigen wer sie gesprochen,« nickte der Deutsche, »Senhores, ich ersuche Sie, keine Zeit zu versäumen und die Revision vorzunehmen.«

»Und wer hat das Recht, sich in meine Angelegenheiten zu drängen?« zischte der Brasilianer zwischen den Zähnen durch, »regieren auf einmal die Fremden hier im Land oder wir noch?«

»Seien Sie vernünftig Almeira,« sagte einer der Beamten, »der Herr hat eine Vollmacht von Seiner Majestät selber unterzeichnet, und wir müssen der Genüge leisten. Wo sind Ihre Bücher?«

»Also sollen alle unsere Rechte untergraben werden?« rief der Pflanzer höhnisch aus, »beim Himmel, es ist weit gekommen, wenn man das einem brasilianischen Gutsherrn auf seinem eigenen Besitzthum bieten kann.«

Der Beamte zuckte die Achseln, es war ihm aller Wahrscheinlichkeit nach selber nicht recht, aber der Deutsche, der den Befehl mit dem letzten Dampfer gebracht, schien genau zu wissen, was er thue, und das Schreiben des Ministeriums war ebenfalls in so scharfen bestimmten Ausdrücken abgefaßt, daß selbst ein Verschleppen der Sache zur Unmöglichkeit wurde, – sie wären auch sonst wahrlich nicht so rasch mit hier herausgeritten.

Übrigens hatte Senhor Almeira lange nicht mehr so viele Freunde als er glaubte; denn schon ehe dieser Befehl aus der Hauptstadt eintraf, der den Verdacht eines Verbrechens auf ihn warf, – wenn das auch bei den übrigen Kaffeepflanzern wohl schwerlich sehr hoch angeschlagen wäre – hatte sich ein bis jetzt noch dumpfes und unbestimmtes Gerücht in Porto Seguro verbreitet, nach welchem die finanziellen Verhältnisse des Pflanzers durch seine übergroße Verschwendung einen bedenklichen Charakter sollten angenommen haben. Daß jene junge Französin, die ihn aus Rio hierher begleitet, gar nicht seine wirkliche Frau gewesen, schien man ziemlich allgemein gewußt zu haben, und es verhinderte das gar nicht sie ihn jetzt plötzlich verlassen hatte, bestärkte die Leute in dem schon überhaupt gefaßten Verdacht, denn den wahren, edlen Beweggrund traute ihr Niemand zu.