»Schön,« sagte der Brasilianer, »Sie scheinen mir ein vernünftiger Mann und mit den brasilianischen Verhältnissen ziemlich vertraut, auch im Ganzen practisch zu sein, eine Eigenschaft, die Ihren Landsleuten sonst gewöhnlich abzugehen pflegt. Ich glaube, wir bringen Senhor Almeira, nach den heutigen Erfahrungen, ohne große Schwierigkeit dazu, seine Ansprüche auf die Dienste der deutschen Arbeiter aufzugeben.«

»Ei, zum Teufel, Herr, das glaube ich auch, aber –«

»Bitte, lassen Sie mich ausreden: wir werden aber keine Vergütung für sie von ihm verlangen.«

»Ist auch gar nicht nöthig; die Vergütung werden die Gerichte nachher schon feststellen.«

»Also werden Sie wirklich einen Proceß anstrengen?«

»Aber, verehrter Herr, ist denn das nicht eine sonderbare Frage? haben denn die Gerichte die Sache nicht schon in die Hand genommen?«

»Wie man das so nimmt,« sagte der Beamte achselzuckend. »Dem Ministerium liegt besonders daran, die deutschen Arbeiter – da Sie selber scheinen beim Kaiser Gehör gefunden zu haben – von einer Ungerechtigkeit zu erlösen und die Sache damit abzumachen. Sagt man jetzt Almeira, daß er noch das Ganze beilegen kann, ohne viel Lärm zu machen, so wird er nicht so thöricht sein und sich weigern. Verlangt man aber etwas von ihm, was er aller Wahrscheinlichkeit nach nicht leisten kann, Geldzahlungen nämlich, denn seine Vermögensverhältnisse sind in der That zerrüttet, so muß er es auf einen Proceß ankommen lassen, der drei, vier Jahre dauern mag, während die Arbeiter bis zu dessen Entscheidung gezwungen wären, in ihren alten Verhältnissen zu bleiben. Doch das nicht allein; würde der Proceß auch – wie ich gar nicht bezweifle – zu ihren Gunsten entschieden, und die Passiva überstiegen die Activa, so gehen, wie Sie recht gut wissen, die Hypotheken vor und Ihre Landsleute bekämen doch keinen Reïs, – trotz all ihren gerechten Ansprüchen.«

»Aber damit deuten Sie nichts Geringeres an,« rief der Deutsche, »als daß der Verbrecher – denn wahrlich, er hat ein Verbrechen an den unglücklichen Menschen verübt – vollkommen straffrei ausgehen solle.«

»Ändern Sie Brasilien,« sagte der Beamte zu dem Deutschen achselzuckend; »ich will auch eingestehn, daß wir faule Schäden im Lande haben, die ausgeschnitten werden könnten, aber sie hängen innig und unzertrennbar mit der Productionskraft des Landes zusammen, und es begegnen sich in ihnen so viele und zahlreiche Interessen, daß es Jeder gern so lang es möglich vermeidet, die Hand daran zu legen. Folgen Sie deshalb meinem Rathe. Ist es Ihnen ernstlich darum zu thun, den armen Deutschen bald zu helfen, so überlassen Sie mir die Sache, und ich glaube, daß ich damit zu Stande komme; wollen Sie aber die strenge, unnachsichtliche Verfolgung mit einer Entschädigungsklage für Ihre Schützlinge, so – werden wir jetzt nach Porto Seguro zurückreiten und einen getreuen Bericht über den befundenen Thatbestand absenden; danach wird dort berathen und nachher –«

»Ich bitte Sie um Gotteswillen,« rief der Fremde, »halten Sie ein; ich habe vollkommen genug. Der Himmel bewahre uns Alle vor einem brasilianischen Proceß, – die deutschen sind schlimm genug und ich verspüre nicht die geringste Lust, sie hier zu provociren. Wenn Ihnen nichts daran liegt, einen anerkannten Lump und Betrüger frei herumlaufen zu lassen, mir kann's gewiß recht sein, – also bitte um Regulirung der Sache sobald als möglich. Nur noch eins; was wird aus den armen Familien, wenn sie hier, ohne die geringsten Mittel in Händen zu haben, fort sollen?«