»Dafür liegt ein specieller Befehl der Regierung bei,« sagte der Beamte, »sie mit dem nächsten Dampfer nach Rio zu senden, von wo aus sie auf Regierungskosten nach Santa Chatarina und Blumenau geschickt werden sollen. Dem Schriftstück nach scheint es, als ob das der besondere Wunsch der Deutschen wäre.«
»Gut – ich verlange nicht mehr,« sagte der Deutsche, »etwas bringen wir auch in Rio für sie zusammen. Wann kann ich also Antwort haben?«
»In einer halben Stunde,« sagte der Beamte, augenscheinlich selber sehr erfreut, die fatale Sache noch auf eine so ausgleichende Weise beigelegt zu haben, »verlassen Sie sich darauf.«
»Und ich kann mit den Deutschen sprechen?«
»Auf meine Verantwortung; sie sind von diesem Augenblick an frei.«
Als sie zum Herrenhaus der Plantage zurückkehrten, suchte der Beamte augenblicklich Senhor Almeira auf, während der Deutsche, ohne auch nur das Gebäude wieder zu betreten, so rasch er konnte, zu seinen armen Landsleuten hinab eilte.
Und sollte ich versuchen, die Scene jetzt zu beschreiben, als er ihnen mittheilte, daß sie frei wären, – daß sie von jetzt an keinen Herrn mehr hätten, und die Regierung selber sie mit dem nächsten Dampfer in ein gesunderes Klima, ja gerade dorthin senden wolle, wohin sie sich die lange schwere Zeit immer gesehnt, und wo sie nun doch noch vielleicht einen Theil der Hoffnungen verwirklichen konnten, die sie in dieß ferne Land geführt?
Senhor Almeira schien auch in der That nicht die geringsten Schwierigkeiten gemacht zu haben, denn die Gründe, die ihm der Beamte vorgelegt, mußten doch wohl zu überzeugend gewesen sein. Kaum eine halbe Stunde später erschien dieser selbst, um den Deutschen anzuzeigen, daß sie am nächsten Morgen ihr Gepäck nach Porto Seguro verladen möchten, da in den nächsten Tagen das vom Norden kommende Dampfboot dort erwartet würde. Kosten hätten sie dabei nicht, ja, es sollte sogar Jedem ein Reitthier geliefert werden, um den ziemlich entfernten Hafenplatz zu erreichen.
Von jetzt an hatte die Noth der Armen aufgehört. Eine schwere Stunde stand ihnen freilich noch bevor: der Abschied von den Gräbern ihrer Lieben, von denen sie sich ja auf immer trennen mußten, und bittere Thränen wurden dort geweint, aber auch das überstanden sie, wie sie so Manches in diesem Aufenthalt der Qual überstanden hatten, und am nächsten Morgen mit Tagesanbruch wurden die Thiere herbeigetrieben, auf denen sie die Plantage verlassen sollten.
Senhor Almeira machte ihnen allerdings den Abschied insofern leicht, als er sich nicht mehr vor ihnen sehen ließ, aber sie verlangten auch nicht nach ihm, und als sie im Hafen angelangt das eben eingetroffene Dampfboot bestiegen, und mit diesem wieder hinaus in die offene See – in die frische, kühle Luft hinein hielten, war ihnen fast so zu Muthe, als ob sie nicht einen anderen Platz in dem fernen Reich aufsuchen wollten, sondern aufs Neue der Heimath entgegen steuerten.