Die übrigen Rudel brachen zwischen den Treibern durch, und nur der eine alte Bock war halsstarrig in seinem wohlversteckten Platz stehn geblieben, bis die Jäger ihn längst passirt hatten. Dann drehte er sich um und verschwand plötzlich in einer der zahlreichen Spalten, wie in die Wand hinein.
Und nun der fröhliche Heimzug von der Jagd! Rasch sammeln sich die Jäger, guter Dinge daß der mühselige »Trieb« gelungen; brechen das erlegte Wild auf, und werfen es aus, thun sorgfältig das gesammelte Feist wieder hinein, packen die Gemsen in ihre Bergsäcke, und heimwärts geht es jetzt, am Rücken des Jochs auf einem ziemlich guten Pirschweg hin.
Ihr Tagewerk war aber auch kein leichtes, und wer ihnen zusieht wie sie an den steilen Wänden hinlaufen, oft über Abgründen hängen wo der geringste falsche Tritt sie rettungslos in die Tiefe schickte – denn ein Anklammern wäre da nicht mehr möglich – wie sie jetzt im Schweiß ihres Angesichts durch ein Laatschendickicht arbeiten, jetzt über das Geröll einer Reißen klettern und immer munter, immer vergnügt dabei, der muß die Leute wahrlich bewundern. Und trotz den oft furchtbaren, jedenfalls höchst mühseligen Wegen die sie zu steigen haben, achten sie nicht blos auf ihren schmalen Pfad, nicht blos auf das Wild, das sie dort losgehen sollen, nein ihr Auge späht zugleich, sorglos um die Gefahr die sie umgiebt, nach dem spärlich, und nur an den wildesten rauhsten Stellen wachsenden Edelweiß, nach einer einzelnen, vom Sommer übrig gebliebenen Scabiosa, nach einem tiefblauen Enzian oder einer in dieser Jahreszeit sehr seltenen Alpenrose, mit diesen Blüthen, neben Spielhahnfedern und Gemsbart ihren Hut zu schmücken.
Der Bruch von einer Laatsche an Mütze oder Hut ist heute das Siegeszeichen der gelungenen Jagd, und das Behagen erreicht den höchsten Grad, wenn Abends die erlegten Gemsen am Pirschhaus oder der Almhütte mit den Krickeln oben am Dach eingehakt zur Zierde, als ebensoviel wohlerworbene Trophäen hängen.
Die Berathung.
Nach dem Treiben.