Was ihm Ragg unten nachwünschte weiß ich nicht, aber ich selber hatte jetzt da oben auch nichts weiter zu thun, und kletterte thalab, sobald als möglich die Riß zu erreichen.

8.
Ein Sonntag Morgen.

Wie freundlich das Schloß da tief im Thale liegt; wie rasch und munter der klare schnelle Strom vorüber springt, und wie so lustig die Flaggen auf den zierlichen Thürmen wehn. Die hellen Mauern und der dunkle Wald vom blauen Aether sonnig überspannt, so recht im Herzen des edlen Waidwerks mitten drin; die kräftigen Gestalten dann darum her, die Jäger – die Hunde, und dann vor Allem – kein Gasthaus in der Nähe in dem sich eine Schaar schwärmerischer Städter concentriren könnte, von dort aus ihre Picknickparthieen in die Berge hinauf zu senden – oh es ist ein wonniges – ein unbeschreibliches Gefühl der Sicherheit und Lust.

Aber nicht allein die Jagd lockt dort die Leute zusammen. Am Sonntag Morgen ziehen die Jäger und nächsten Nachbarn des Klosters nach der kleinen Klosterkirche, die sie hier mitten in die Berge eingebaut, und auch manch liebes Mädchengesicht lächelt da unter dem spitzen grünen Hut das freundliche »Gott grüß Dich« vor. – »Gott grüß Dich« – wie lieb und hold das klingt. Es giebt doch keine Sprache in der weiten Welt die noch so herzlich grüßte als die deutsche – wenn die Leute nur nicht alle das verwünschte »Regendach« trügen. Gestalten findet man unter den Bergbewohnern wie man sie sich nicht edler und kräftiger wünschen könnte, und Alle fast ohne Ausnahme mit den ehrlichen, gutmüthigen Gesichtern, und den treuen wenn auch ein Bischen verschmitzten Augen. Die Tracht ist dabei so malerisch, und selbst den Mädchen steht der grüne Männerhut so lieb auf den vollen blühenden Gesichtern, aber – gebt einem Apollo, gebt einer Venus einen rothbaumwollenen Regenschirm unter den Arm, und die ganze Poesie ist zum Teufel.

Ein solcher Sonntag Morgen in dem Thal ist auch das schönste was man sich in stiller traulicher Waldeinsamkeit nur denken kann. Noch hat die Sonne kaum die hohen Joche mit ihrem ersten Strahl gegrüßt, da mischt sich schon in das fröhliche Plätschern des Bergbachs, in das leise Rauschen der mächtigen Waldeswipfel, das harmonische Geläut der Glocken, und wenn der Himmel dann so rein und blau herniederschaut, und mit den weißen duftigen Nebelschleiern wie zum Schmuck die wundervollen Berge überhängt, dann geht das Herz dem Menschen auf, dann zwingt es ihn zur Andacht, dann wird die ganze wundervolle Welt zur Riesenkirche, und jedes rauschende Blatt, jede flüsternde Welle predigt die Allmacht, predigt die Liebe Gottes.

Die Berge sind auch der eigentliche Tempel des Herrn, denn nirgends fühlt der Mensch sich seinem Gott so nah – nirgends so klein und unbedeutend, dem Allmächtigen gegenüber.

Die Kirche ist aus. Die Andächtigen kommen einzeln und langsam aus dem Gotteshaus – nur die Frauen eilen, denn sie haben den Mittagstisch zu besorgen, und die Männer bleiben hie und da auf den Wegen plaudernd zusammen stehn. Sie haben heute Nichts zu versäumen, und es wäre auch schade, wenn sie so rasch wieder nach Haus in die engen Stuben gingen, und ihren blinkenden Sonntagsstaat nicht erst ein wenig in der warmen hellen Sonne lüfteten und – zeigten.

Wetter noch einmal wie blank sie aussehn, mit den neuen hellgrünen Hüten, den reinen Hemden und den sauber geputzten Gürtelschlössern. Manche von ihnen, den Tag recht feierlich zu begehn, tragen auch lange Hosen, aber das steht ihnen nicht; sie schlenkern auch darin die Beine beim Gehn, und bewegen die Knie herüber und hinüber. Es sitzt ihnen unbequem, und sie wissen's vielleicht selber nicht; die Knie wollen hinaus in's Freie, und da sie das nicht können, halten sie sich steif und ungelenk.

Dort aus dem Schloß kommt ein alter Mann. Er trägt, ungleich den Anderen, die nur höchstens, und trotz dem sonnigen Wetter, ihr roth oder blaues Regendach unter dem Arm haben, ein paar blecherne Milchkannen, die er heut Morgen gefüllt heruntergebracht, und jetzt wieder mit heim nimmt, oder zurück trägt wohin sie gehören.