»Wie Jackel noch gewilddiebt hat, soll ihm auch einmal ein Jäger die eine Fingerkuppe weggeschossen haben,« sagte auf einmal der Kammerdiener ganz ernsthaft aus dem Hintergrund vor.

»Wer? ich?« rief Jackel, dem die Pfeife beim Zuhören wohl zwanzig Mal ausgegangen war, ganz erstaunt. »Aber schon nicht. Den hab' ich mir mit einem Handbeil weggeschlagen.« – Die anderen Jäger lachten.

»Hat nicht der Rainer vor ein paar Jahren einmal dem Jackel ein Gewehr weggenommen?« frug ich, das Bergmännle vor mir auf dem Schooß haltend und es langsam streichelnd.

»G'raubt hat er's!« rief aber Jackel, dem die Frage eine höchst fatale Erinnerung weckte – »heimlicher Weise aus der Hütte 'raus.«

»Was hatt'st Du mit einem G'wehr in der Hütte zu thun?« vertheidigte sich aber Rainer – »Du bist kein Jäger.«

»Das weiß ich,« sagte Jackel, und zieht vergebens an der ausgegangenen Pfeife, »aber damals, 48, wie die Welschen herüber kommen sollten, da hatt' ich mir ein gutes G'wehr gekauft – es kostete mich fünf Gulden, aber es schoß auch gut, und weil ich's nicht zu Haus lassen wollt', wo sie mir schon einmal mit Schroten drauß geschossen hatten, nahm ich's mit auf die Alm zum Holzhacken. Der Rainer aber der war mir nachgeschlichen und hat sich hinter 'en Busch gelegt, bis wir an die Arbeit 'gangen waren, und dann ist er hergekommen und hat es heimlich g'raubt und mit fortgenommen – und ich soll's heute noch wiedersehn.«

Jackel stand übrigens in der That in dem Verdacht früher manchen eben nicht nöthigen Spaziergang in den Bergen gemacht zu haben. Die Zeit lag indessen hinter ihm, und er läugnete das jetzt hartnäckig. So gutmüthig diese Bursche dabei sind, so schlau sind sie, und als ihm der Herzog einmal in den Bergen befahl seine Büchse zu laden, stellte er sich so ungeschickt dabei an, als ob er gar nicht wisse, was unten hin gehöre, die Kugel oder das Pulver.

Der Jagdplan auf den morgenden Tag wurde jetzt besprochen, und da wir vor Tag ausbrechen mußten, unseren Stand noch vor der Morgendämmerung zu besetzen, stand der Herzog auf, die Nacht auf seiner mit Heu gestopften Matratze unter einer wollenen Decke zu verbringen.

»Wie viel Uhr ist's? – es muß schon spät geworden sein.« Rainer hat rasch nach seiner silbernen Uhr gesehn.

»Zehn Uhr, Hocheit.«